Erstellt am 08. Mai 2013, 00:00

Bienensterben. Spitzenkandidat / Trotz Bienen-Fiasko 100 Prozent Zustimmung im Heim-Bezirk. Berlakovichs Ministersessel wackelt aber nach wie vor.

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Von Wolfgang Millendorfer

Nach einer mehr als turbulenten Vorwoche brachte der vergangene Montag für Nikolaus Berlakovich endlich wieder eine erfreuliche Botschaft: In Oberpullendorf wurde der Minister einstimmig zum Bezirks-Spitzenkandidaten für die Nationalratswahl gewählt. Im Juni soll er auch als landesweite Nummer eins der ÖVP fixiert werden. So ist es zumindest geplant.

Pannenserie und drohende Strafe

Bis dahin wird Berlakovich aber wohl noch einiges an Kritik einstecken müssen. Seit sich Österreich in seinem Namen in Brüssel gegen ein Verbot von Neonicotinoiden ausgesprochen hat, fand sich der Landwirtschafts- und Umweltminister im Kreuzfeuer der Kritik wieder, wurde als „Lobbyist der Bauern“ und als „Bienenmörder“ beschimpft. Gleich darauf die nächste Panne: Als sich Berlakovich – unter Berufung auf das Amtsgeheimnis – weigerte, die Menge der in Österreich verwendeten Pestizide (die für das weltweite Bienensterben mitverantwortlich gemacht werden) zu nennen, sahen Rechtsexperten gar eine drohende Haftstrafe wegen Missachtung der Informationspflicht.

Im Rahmen eines kurzfristig einberufenen „Bienengipfels“ in Wien bemühte sich Berlakovich prompt um eine Versachlichung der Debatte und will auf breiter Basis eine Lösung finden.

Dazu wird jetzt ein Wissenschaftsgremium eingesetzt und ein Forschungsauftrag erteilt – „um die wirklichen Ursachen des Bienensterbens in Österreich zu analysieren“. Denn laut Berlakovich müsse es für ein Verbot der Pestizide zunächst klare Beweise für deren Schädlichkeit geben.

„Der Schutz von Bienen ist mir ein wichtiges Anliegen“, hält Berlakovich fest. Genauso sei das Lebensministerium aber dafür zuständig, landwirtschaftliche Existenzen gegen neue Schädlinge zu schützen.

Dass ein zweijähriges Verbot von Neonicotinoiden als so gut wie sicher gilt, wird indes als weitere Niederlage des Ministers angesehen. Ob er seinen Posten auch nach der Nationalratswahl noch halten können wird, gilt hingegen als unsicher.

„Minister wird richtige Entscheidung treffen“ 

Im Burgenland stellt sich die ÖVP aber hinter Berlakovich. Parteichef Franz Steindl ist „überzeugt, dass der Minister die richtige Entscheidung treffen wird“. Vertrauen gibt es auch von Landesrätin Michaela Resetar, die sich gegen „Hasstiraden“ verwehrt; ebenso von Agrarlandesrat Andreas Liegenfeld, laut dessen Büro ein zeitweises Verbot von Pestiziden aber grundsätzlich für richtig gehalten wird.


Bienensterben:

  • Die Varroa-Milbe und die langen Winter gelten als die größten Feinde der Honigbiene. Der gängige Einsatz von Neonicotinoiden zur Schädlingsbekämpfung beim Mais- und Raps-Anbau wird als zusätzlicher Grund für das Bienensterben angesehen.
  • Laut Statistik Austria betreuen im Burgenland 558 Imker aktuell 8.586 Bienenvölker. Österreichweit gibt es in warmen Sommern geschätzte 22 Milliarden Honigbienen.
  • 26 Prozent der Bienenvölker in Österreich haben den Winter 2011/2012 nicht überlebt.