Erstellt am 12. März 2014, 14:11

Bifie warnt vor Bildungstest-Stopp. Die Organe des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie) haben nach der internen Mitteilung des heurigen Teststopps für Bildungsstandards, PISA- und TIMSS-Studie vor diesem Schritt gewarnt.

Auch WKÖ-Präsident Leitl ist gegen die Aussetzung des PISA-Test. Bundeskanzler Faymann stärkt indes Heinisch-Hosek in ihrer Entscheidung den Rücken.

Die Daten seien nicht sicher, und das zuzugeben und die Konsequenzen zu ziehen, sei besser, als die Augen vor dem Problem zu verschließen, sagte Faymann im Pressefoyer nach dem Ministerrat.

Heinisch-Hosek habe in der Regierungssitzung ausführlich über die Schülerdaten-Causa berichtet und "gesagt, die Datensicherheit ist nicht vorhanden", so Faymann. "An dem wird gearbeitet, aber die gibt's zur Stunde nicht." Bestimmte Tests auszusetzen, sei daher auch keine Frage der Ideologie, sondern eine der Verantwortung.

Wirtschaftskammer gegen Aussetzung des PISA-Tests

Gegen die Aussetzung des PISA-Tests in Österreich im Jahr 2015 spricht sich die Wirtschaftskammer (WKÖ) aus. Es sei "eine Blamage, dass eine Datenlücke zum Anlass herangezogen wird, um bei den PISA-Tests der OECD auszusteigen", so WKÖ-Präsident Christoph Leitl in einer Aussendung.

Dahinter stehe "offensichtlich auch das Kalkül, die Kontrolle von Bildungsstandards abzuwürgen, da die PISA-Ergebnisse für Österreich - vornehm ausgedrückt - nicht sonderlich erfreulich waren", mutmaßt Leitl.

Bifie sendete sofort Schreiben an Heinisch-Hosek

Dem Bifie wurde das vorläufige Aus für die Bildungstests am Samstag (8. März) mitgeteilt. Bereits am Tag darauf reagierten die Bifie-Direktoren Christian Wiesner und Martin Netzer mit einem Schreiben an Heinisch-Hosek.

"Als Verantwortliche des Bifie sehen wir es trotz der angespannten medialen Situation als unsere Pflicht, auf die Risiken und möglichen Konsequenzen hinzuweisen, die durch das Aussetzen oder auch Verschieben von Überprüfungen und Tests des Bifie entstehen können."

Verschiebung mit großen zusätzlichen Kosten verbunden

Die Verschiebung der Bildungsstandard-Überprüfungen sehen die Bifie-Chefs "mit großen organisatorischen Herausforderungen und zusätzlichem finanziellem Ressourcenbedarf, aber auch strategischen Risiken verbunden".

Unter anderem müssten sämtliche Erhebungsmaterialien neu gedruckt werden, was allein knapp eine Mio. Euro koste. Dazu kämen erneute Datenmeldungen durch die Schulleitungen und nun vermutlich vergebliche Ausgaben für Testleiter-Trainer, Testleiter, Auswerter und Assessoren.

Lesen Sie mehr auf Seite 2.

Ohne Abschluss eines Zyklus kein abschließender Bericht

Durch die Absage der heurigen Standard-Testungen würde außerdem der erste Testzyklus mit Mathematik, Englisch und Deutsch nicht abgeschlossen. "Damit gibt es keine zusammengefassten Daten für den kommenden nationalen Bildungsbericht 2015. Auch kann ohne einen Abschluss eines Zyklus kein abschließender Bericht der Bildungsstandard-Überprüfung erfolgen, wodurch z. B. eine Ableitung von Kriterien für erfolgreiche 'gute' Schulen oder auch Brennpunktschulen erst mit Vorliegen eines ersten Zyklusberichts 2016/17 erfolgen kann."

Sollten die heuer abgesagten Deutsch-Standarderhebungen im kommenden Jahr nachgeholt werden, fielen sie vom Arbeitsanfall her mit der Erhebung der Mathe-Standards in der vierten Klasse Volksschule zusammen. Dies würde das Bifie und seine Ressourcen 2016 "erheblich überlasten".

Auch für die PISA- und TIMSS-Feldstudien seien bereits Sachmittel von rund 300.000 Euro angefallen, argumentieren die Direktoren. Der nun abgesagte PISA-Feldtest sei darüber hinaus eine "notwendige Brückenstudie, welche die Basis bildet, damit zukünftige PISA-Ergebnisse mit früheren Ergebnissen im Trend verlinkt werden können".

Wissenschaftlicher Beirat sieht die "derzeitige Entwicklung sehr bedenklich"

Zusammenfassend betonen Netzer und Wiesner, "selbstverständlich" jede Entscheidung der Ministerin zu respektieren. "Als Direktoren betrachten wir es jedoch als unsere Pflicht, in aller Form auf die budgetären, organisatorischen und strukturellen Schwierigkeiten hinzuweisen, die sich durch eine kurzfristige Absage bzw. Verschiebung der seit langem vorbereiteten Testungen ergeben werden."

Geschlossen wird das Schreiben mit einem hoffnungsfrohen Wunsch: "Ihnen wünschen wir viel Kraft und Erfolg in dieser äußerst schwierigen Situation. Wir sind überzeugt, das BMBF (Bildungsministerium, Anm.) und das Bifie können diese kritischen Wochen gemeinsam erfolgreich meistern."

Bifie-Aufsichtsrats-Vorsitzender Arthur Mettinger appellierte wiederum "nachdrücklich" an Heinisch-Hosek, "die Argumente der Bifie-Direktoren bei Ihrer Entscheidung über eine (Nicht)Verschiebung der Bildungsstandard-Überprüfung sowie der Internationalen Studien entsprechend zu würdigen ". Der wissenschaftliche Beirat sieht die "derzeitige Entwicklung sehr bedenklich".

Lesen Sie hier mehr zu diesem Thema: