Erstellt am 14. September 2011, 07:46

Bildung hat keine Priorität in Österreich. Österreich räumt dem Thema Bildung keine Priorität ein. Das zeigt die heute, Dienstag, präsentierte OECD-Studie "Bildung auf einen Blick". Die Ausgaben für Bildungseinrichtungen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegen mit 5,4 Prozent unter dem OECD-Schnitt (5,9 Prozent).

Darüber hinaus gehört Österreich zu jenen Ländern, in denen zwischen 1995 und 2008 der Anstieg der Bildungsausgaben klar hinter dem Anstieg des BIP zurückgeblieben ist.

"Die Ausgaben für Bildungseinrichtungen im Verhältnis zum BIP erlauben Rückschlüsse darüber, in welchem Ausmaß ein Land Bildung Priorität einräumt", heißt es in der Studie. Am höchsten sind die Bildungsausgaben (öffentliche und private Aufwendungen zusammen) demnach in Chile, Dänemark, Island, Israel, Südkorea, Norwegen und den USA mit jeweils über sieben Prozent des BIP. Während Österreich bei den aus öffentlichen Mitteln finanzierten Bildungsausgaben mit 5,2 Prozent des BIP sogar knapp über dem OECD-Schnitt (5,0 Prozent) liegt, kommt es bei den privaten Aufwendungen nur auf 0,2 Prozent - weit unter dem OECD-Schnitt von 0,9 Prozent.

Besonders bedenklich: Seit 1995 sind die Bildungsausgaben im Verhältnis zum BIP in Österreich verhältnismäßig stark gesunken - von 6,2 Prozent auf zunächst 5,5 Prozent im Jahr 2000 und schließlich auf 5,4 Prozent im Jahr 2008. Verantwortlich dafür sind die Rückgänge der Ausgaben für den (vorwiegend öffentlich finanzierten) Schulbereich - von 4,3 Prozent (1995) auf 3,6 Prozent (2008) gemessen am BIP. Praktisch stabil geblieben sind dagegen die Ausgaben für den Hochschulsektor (von 1,2 Prozent des BIP im Jahr 1995 auf 1,3 Prozent im Jahr 2008).

Die österreichische Entwicklung läuft damit entgegen dem internationalen Trend. "In mehr als drei Viertel der Länder mit verfügbaren Daten für 2000 und 2008 war der Ausgabenanstieg für alle Bildungsbereiche zusammen größer als das Wachstum des BIP." Eine besonders starke Zunahme der Bildungsausgaben verzeichneten dabei Brasilien, Irland und Südkorea. Eine gegenläufige Entwicklung gab es neben Österreich tendenziell auch in Deutschland, Frankreich, Israel, Japan und der Slowakei.

Rechnet man dagegen pro Schüler bzw. Student, zählt Österreich zu den Ländern mit den höchsten jährlichen Ausgaben für die Bildungseinrichtungen. Diese Aufwendungen liegen in der Schweiz mit 14.977 Dollar pro Jahr (kaufkraftbereinigt) am höchsten, Österreich liegt mit 11.852 Dollar an vierter Stelle und deutlich über dem OECD-Schnitt von 8.831 Dollar.

Vergleicht man die Veränderungen der Ausgaben und der Schüler-bzw. Studentenzahlen zeigt sich folgendes Bild: Im Schulbereich gab es zwischen dem Jahr 2000 und 2008 einen Rückgang der Schülerzahl um drei Prozent, die Bildungsausgaben sind im selben Zeitraum aber um acht Prozent gestiegen. Krasser ist die Entwicklung im Hochschulbereich: dort ist die Zahl der Studierenden in diesem Zeitraum um 15 Prozent angestiegen, während die Aufwendungen für den Tertiärbereich um 48 Prozent gestiegen sind. Die Ausgaben pro Schüler haben sich damit um zwölf Prozent erhöht, jene pro Student um 29 Prozent.