Erstellt am 11. März 2014, 10:46

Bildungsstandard-Überprüfungen abgesagt. Die für das heurige Frühjahr geplanten Bildungsstandard-Erhebungen für das Fach Deutsch in der vierten und achten Schulstufe sind abgesagt worden.

Das geht aus einer Aussendung des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie) an Mitarbeiter hervor. Grund ist die vom Bildungsministerium beauftragte Überprüfung der Datensicherheit, die bis zum Testtermin nicht fertig wird.

Auch die Landesschulratspräsidenten wurden vom Ministerium bereits informiert. "Der Daten-Sicherheits-Check kann vom zeitlichen Ablauf nicht so abgeschlossen werden, dass für die Durchführung der heurigen Bildungsstandard-Überprüfungen Unbedenklichkeit besteht", heißt es laut "Vorarlberger Nachrichten" in einem Mail des Ministeriums an die Vorarlberger Schullandesrätin Mennel.

In Folge der Diskussion um ungeschützte Schülertest-Daten beim Bifie hatte Bildungsministerin Heinisch-Hosek eine Überprüfung der Datensicherheit in Auftrag gegeben. Zuletzt waren laut "Presse" 400.000 Testergebnisse aus 2011 und 2012 ungeschützt und unverschlüsselt öffentlich für jeden Internetnutzer zugänglich.

Tests sollen 2015 nachgeholt werden

Die Tests, an denen alle Schüler der 4. Klasse Volksschule und 4. Klasse AHS/Neue Mittelschule/Hauptschule teilnehmen, sollen 2015 nachgeholt werden. Die Zentralmatura ist davon vorerst unberührt - hier findet eine eigene Überprüfung statt, die bis Ende März abgeschlossen sein soll.

Der Vorsitzende der ARGE Lehrer in der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst, Paul Kimberger (FCG) hält das heurige Aussetzen der Bildungsstandard-Tests für richtig. "Solange die Datensicherheit nicht gewährleistet ist und wir nicht sicher sein können, was auf rumänischen Servern auftaucht, ist es eine richtige Entscheidung", so Kimberger. Ihm gehe es dabei nicht um die Schüler-Tests an sich: Bildungsstandard-Erhebungen und Kompetenzmessungen seien durchaus sinnvoll, wenn man sie richtig einsetze.

Bedenken bezüglich Datensicherheit: Vertrauen geht vor

Auch Kimbergers Stellvertreter in der Pflichtschullehrergewerkschaft, Thomas Bulant (FSG), unterstützte die Verschiebung der Tests ins kommende Jahr.

"Es ist begrüßenswert, dass Ministerin Heinisch-Hosek die Datensicherheit als schützenswertes Gut sieht und die Zeitpläne für Bildungsstandards, PIRLS und PISA nicht als Prestigeobjekte verteidigt", hieß es. Vertrauen gehe vor Tempo, so Bulant.

Überrascht und enttäuscht zeigte sich dagegen die Vorarlberger Schul-Landesrätin Mennel. "Ich finde das nicht gut. Die Testungen wären ja mit Papier und Bleistift erfolgt, und erst danach hätte es die elektronische Verarbeitung gegeben", so Mennel in den "Vorarlberger Nachrichten". Die Landesschulratspräsidenten seien in diese Entscheidung nicht mit eingebunden gewesen.

Team Stronach: Bildungsministerin will sich vor Tests "drücken"

Das Team Stronach wirft Heinisch-Hosek vor, die Probleme mit den Schülerdaten beim Bifie dazu zu nutzen, sich vor den Tests zu "drücken". "Hier wird nur verhindert, dass erneut schlechte Prüfungsergebnisse bekannt werden", so Team-Stronach-Bildungssprecher Lugar. "Plötzlich heuchelt man Sorgfältigkeit im Umgang mit vertraulichen Daten, nur um die Tests heuer zu verhindern und um ein Jahr zu gewinnen."