Erstellt am 18. September 2013, 00:00

blieb auf „Kuschelkurs“. Berufskiller oder Armut: Frank Stronach und die BVZ-Leser fanden einen Draht zueinander.

Ruhige und sachliche Diskussion im Redaktionsbüro in Eisenstadt: BVZ-Leiter Markus Stefanitsch führte durch das Lesergespräch mit Frank Stronach, bei dem trotz aller Sachlichkeit auch kritische Themen zur Sprache kamen. „Es ist ja auch nichts Schlechtes, wenn man sagt, ich hab einen Fehler gemacht und jetzt mach ich es anders“, gab sich Stronach unter anderem auch selbstkritisch.Werner Müllner  |  NOEN, MUELLNER Werner
Von Wolfgang Millendorfer

So mancher Teilnehmer des BVZ-Lesergesprächs zeigte sich überrascht: „Ein sympathischer Mann, dieser Herr Stronach!“ Zur Eröffnung bot Frank allen gleich das Du-Wort an; in der Diskussion gab sich Stronach sachlich und ruhig und zeigte ein ganz anderes Bild als jenes, das man von polternden TV-Auftritten kannte.

Für seine politischen Gegner – die Regierungsparteien, die Gewerkschaften und Kammern „mit ihren Zwangsmitgliedschaften“ – fand er freilich scharfe Worte: Schulden, Korruption und Freunderlwirtschaft hätten dem Staat schwer zugesetzt. Er, Stronach, könne das in vier bis fünf Jahren ändern und Österreich wieder konkurrenzfähig machen, so seine Ansage. Etwa durch den Abbau bei Behörden und den Verkauf von Verwaltungsgebäuden.

Als alleiniger „Boss“ sieht sich Frank Stronach aber nicht. Neben seinem Team würde er im Parlament der Zukunft gerne auf 50 gewählte Bürgervertreter setzen: „Menschen ab einem gewissen Alter, die auf eigenen Beinen stehen und schon einmal Löhne bezahlt haben.“

Großzügige Angebote freundlich abgelehnt 

Als „Fan“ des Managers Stronach zeigte sich Leser und Unternehmer Richard Tometich enttäuscht von dessen Polit-Einsatz: Er würde sich mehr Initiative für kleine und mittlere Unternehmen und mehr Wirtschaftsleute an wählbarer Stelle wünschen. „Die haben natürlich Angst“, antwortete Stronach – und bot dem Unternehmer einen Platz im Team an.

Dieses freundliche Angebot wurde ebenso freundlich abgelehnt wie jenes an einen 18-jährigen Schüler in der Runde, den Stronach zum Auslandssemester in Kanada einlud. „Ich mach mir Sorgen um deine Zukunft“, hatte Stronach zuvor gemeint und die Bildungspolitik ins Visier genommen: „Das System ist schuld, nicht die Lehrer!“

Kritische Fragen von den Lesern gab es zu „gekauften“ Politikern und etwaigen Verbindungen von Magna zum Eurofighter-Deal. „Alles Lügen“, entgegnete Stronach. Er habe dazu unter Eid ausgesagt und wolle mit der Rüstungs-Industrie nichts (mehr) zu tun haben.

Neben möglichen Rezepten zur Sanierung der Staatskassen und dem Thema Armut (siehe Zitate rechts) kam gegen Ende der Diskussion natürlich noch Stronachs Rechtfertigung der Todesstrafe zur Sprache.

Und auch hier blieb der Teamchef seiner Linie treu: „Ein wenig philosophisch“ habe er sich eben für die „Bestrafung von Berufskillern“ ausgesprochen, und das sei lediglich seine persönliche Meinung. „Jetzt kommt mir aber vor, die machen sich mehr Sorgen um die Killer als um die Opfer …“