Erstellt am 16. Januar 2012, 11:51

Börsen hakten Herabstufungen schnell ab. Die Anleger an den Finanzmärkten sind nach der Herabstufung der Bonität mehrerer Euro-Staaten am Montag überraschend zügig zur Tagesordnung übergegangen. Die Aktienbörsen machten ihre Anfangsverluste bis zum späten Vormittag wett und der Euro erholte sich etwas von seinem Kursrutsch am Freitag.

"Die Herabstufung Frankreichs war allgemein erwartet worden", sagte Andrew Wells, der die Anlage-Entscheidungen am Anleihemarkt beim Vermögensverwalter Fidelity verantwortet. Schlimmer wäre es gewesen, wenn auch Deutschland seine Top-Note "AAA" verloren hätte.

Auch für Stefan Schilbe, Chefvolkswirt bei HSBC Trinkaus, stellte der Schritt der Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) keinen großen Belastungsfaktor dar. "Man muss ja auch sehen, dass es Abstufungen rund um den Globus gab." So lange es keine Serie von Herabstufungen gebe, würden die institutionellen Anleger sicher nicht die Nerven verlieren. S&P hatte neben Frankreich unter anderem die Kreditwürdigkeit Österreichs, Italiens und Spaniens schlechter benotet.

DAX und Euro-Stoxx-50 notierten nach anfänglichen Verlusten jeweils knapp im Plus bei 6.158 Punkten beziehungsweise 2.338 Zählern. Die Indizes hatten wegen der Spekulationen um eine unmittelbar bevorstehende Herabstufungswelle am Freitag schon verloren. Die Leitindizes der Aktienbörsen von Paris und Wien gaben 0,1 und 0,3 Prozent nach.

Der Euro kostete mit 1,2674 Dollar etwas mehr als zum New Yorker Vortagesschluss. Die Gemeinschaftswährung hatte am Freitag allerdings rund eineinhalb US-Cent eingebüßt. "Ich sehe für den Euro in den kommenden Wochen wenig Aufwärtspotenzial", betonte Niels Christensen, Währungsstratege bei Nordea. "Es gibt noch immer zu viele Negativschlagzeilen und zu viele Unsicherheiten."