Erstellt am 04. September 2016, 07:01

von APA Red

Kein Favorit für die Wiederholungswahl. Keinen klaren Favoriten gibt es für die Hofburg-Wiederholungswahl am 2. Oktober ...

NÖN/APA, APA

Die aufgehobene Stichwahl vom 22. Mai brachte das knappste Ergebnis aller 13 Volkswahlen seit 1951, der Grüne Alexander Van der Bellen lag um nur 30.863 Stimmen vor Norbert Hofer. Der FPÖ-Kandidat holte sich mit der Anfechtung eine zweite Chance.

Die Österreicher sind in der Frage, wer das nächste Staatsoberhaupt werden soll, gespalten. Von Anfang an klar war diesmal nur, dass sie anders als bisher weder einen roten noch einen schwarzen Bundespräsidenten wollten. Schon in den Umfragen lag über Monate Van der Bellen vorne.

Den ersten Wahlgang und bei den Urnenwählern der Stichwahl gewann Hofer, mit Auszählung der Briefwahl wurde am 23. Mai doch noch Van der Bellen Erster. Er holte sich den Sieg in den großen Städten, allen voran Wien und Graz. In allen neun Landeshauptstädten war Erster, aber in fünf der neun Bundesländer gab es eine Mehrheit pro Hofer.

Im ersten Wahlgang vom 24. April - wo auch Irmgard Griss, Rudolf Hundstorfer (SPÖ), Andreas Khol (ÖVP) und Richard Lugner am Stimmzettel standen - holte sich Hofer noch einen deutlichem Vorsprung gegenüber Van der Bellen: 1,499.971 Stimmen brachte der FPÖ-Kandidat ins Ziel, das waren um 586.753 bzw. 13,71 Prozentpunkte mehr als Van der Bellens 913.218.

Auch im Stechen hielt sich Hofer (mit 144.006 Stimmen Vorsprung) zunächst noch vorne - im vorläufigen Endergebnis, das am Abend des 22. Mai verkündet wurde. Aber nach Auszählung der Briefwahl war Hofer am Abend des 23. Mai mit 2,220.654 Stimmen nur mehr Zweiter und Van der Bellen mit 2,251.517 Stimmen und 50,35 Prozent gewählter Bundespräsident - bis zur Aufhebung der Wahl durch den VfGH am 1. Juli.

So knapp war nie zuvor eine Hofburg-Wahl ausgegangen - nur fast so knapp: Franz Jonas zog 1965 mit 50,69 Prozent zum ersten Mal in die Hofburg ein, allerdings schon im ersten Wahlgang, weil nur Alfons Gorbach (ÖVP) gegen ihn antrat. Das bisher knappste Ergebnis der vier Bundespräsidenten-Stichwahlen gab es gleich bei der ersten Volkswahl im Jahr 1951: Theodor Körner (SPÖ) gewann mit 52,06 Prozent gegen Heinrich Gleißner (ÖVP).

Geteilt zeigte sich Österreich auch bei der regionalen Verteilung der Stimmen: Die großen Städte wählten Van der Bellen, die ländlichen Regionen Hofer. Der Ex-Grünen-Chef holte sich alle neun Landeshauptstädte. Vor allem Wien und Graz - mit fast zwei Drittel der Stimmen - sicherten ihm den Sieg. So reichte dem Ex-Grüne-Chef auch die Mehrheit in vier Ländern, nämlich Wien, Vorarlberg, Tirol und Oberösterreich, um bundesweit Erster zu werden. Die weitaus höchste Zustimmung hatte er mit 63,32 Prozent in der Bundeshauptstadt, wo auch der Amtssitz - die Hofburg - liegt. Die Vorarlberger wählten ihn zu 58,59 Prozent.

Auch Hofer schaffte ein Landesergebnis über 60 Prozent, und zwar in seiner Heimat, dem Burgenland. Dort sind allerdings die wenigsten Wahlberechtigten zu finden - während Wien die zweithöchste Zahl aufweist. Im wählerstärksten Land, Niederösterreich, lag Hofer zwar recht deutlich (52,65 Prozent) vorne, aber Van der Bellen holte sich das drittstärkste, Oberösterreich.

Fast 60 Prozent - genau 58,10 - erzielte Hofer in Kärnten, das lange in blau/oranger Hand war. Wie groß das Stadt-Land-Gefälle war, sieht man an der Steiermark: Dort kam Hofer landesweit auf 56,22 Prozent - aber in der Landeshauptstadt Graz wählten 64,44 Prozent Van der Bellen. Mehrheitlich für den FPÖ-Kandidaten entschied sich auch das Land Salzburg, in der Stadt kam hingegen Van der Bellen auf fast 60 Prozent.