Erstellt am 29. November 2012, 18:36

Burgenländischer UN-Offizier in Damaskus verletzt. Vier österreichische Soldaten der UN-Schutztruppe UNDOF, einer davon ein 53-jähriger Vizeleutnant aus dem Burgenland, sind am Donnerstagnachmittag im Großraum Damaskus angeschossen worden.

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Vier österreichische Soldaten der UNO-Friedenstruppe auf dem Golan sind am Donnerstagnachmittag auf dem Weg zum Flughafen in Damaskus verletzt worden. Ein 25-Jähriger Steirer wurde bei dem Angriff unbekannter Täter auf den rund 100 Soldaten umfassenden österreichischen Konvoi am Arm, ein 53-Jähriger Burgenländer an der Schulter angeschossen. Zwei weitere Soldaten wurden durch Splitter verletzt.

Die Soldaten befinden sich mit 70 weiteren Österreichern, die ihren Dienst auf den Golanhöhen erst beginnen sollten, gegenwärtig auf dem Flughafen von Damaskus. Das Verteidigungsministerium hofft, sie noch heute nach Österreich zurückfliegen zu können.

Am Flughafen dürften die 170 Österreicher vorerst in Sicherheit sein. "Die Lage am Flughafen ist ruhig," sagte der Sprecher des Verteidigungsministerium, Oberst Michael Bauer, am Donnerstag. Auch von einer Blockade der Zufahrtsstraßen zum Flughafen, wie sie Aufständische gemeldet hatten, sei ihm nichts bekannt.

Wenn möglich sollten die rund 100 Soldaten, die ihren Dienst auf den Golanhöhen beendet haben, noch heute über Zagreb nach Wien-Schwechat fliegen, so Bauer. Ausschlaggebend dafür sei neben der Sicherheitslage - "wir fliegen nur, wenn es absolut sicher ist" - auch organisatorische Fragen, etwa wann man eine Fluggenehmigung für die von der UNO gecharterte Boing 767 bekomme. Eine ägyptische und eine saudi-arabische Fluglinie gaben am Donnerstag bekannt, ihre Flüge nach Damaskus aufgrund der "sich verschlechternden" Sicherheitssituation abzusagen. Die AUA fliegt bereits seit November 2011 nicht mehr nach Damaskus.

Jene 70 Soldaten, die das nächste halbe Jahr auf dem Golan verbringen sollen, würden jedenfalls noch bis Freitag auf dem Flughafen der syrischen Hauptstadt bleiben. Dort sei es sicher, sagte Bauer. Dies bestätigte auch der Kommandant des österreichischen Kontingents am Flughafen, Oberst Andreas Rotheneder: "Wir haben die Situation im Griff. Die oberste Priorität hat die Versorgung der Verwundeten und die Sicherheit unserer Soldaten. Wir sind auf derartige Situationen vorbereitet," hieß es in einer Aussendung.

An Bord der UNO-Chartermaschine wird sich auch jener 25-jährige Korporal aus der Steiermark befinden, der durch die Schüsse auf den Konvoi der Österreicher an der Schulter verletzt wurde. Vorerst in Syrien bleiben muss hingegen der 53-jährige Vizeleutnant aus dem Burgenland, der dort durch österreichisches Sanitätspersonal versorgt wird, hieß es aus dem Verteidigungsministerium.

Die Soldaten sind Teil des rund 370 Österreicher umfassenden UNO-Kontingents auf dem Golan. Die UNDOF-Mission ("United Nations Disengagement Observer Force") überwacht dort eine Pufferzone zwischen Syrien und dem von Israel besetzten Golan. Die Teilnehmer der Mission werden halbjährlich ausgetauscht - die attackierten Österreicher befanden sich auf dem Weg zum Flughafen der syrischen Hauptstadt, um von dort nach Wien zu fliegen.

Eine weiter Gruppe österreichischer Soldaten sei bereits vor ihnen abgeflogen und wohlbehalten angekommen, sagte Bauer. Bei dem Vorfall habe es sich um den ersten derartigen Zwischenfall gehandelt. Auf dem Golan selbst ist die Lage ruhig, so der Sprecher.

Außenminister Michael Spindelegger (V) und Verteidigungsminister Norbert Darabos (S) verurteilten den Angriff auf die österreichische UN-Soldaten am Donnerstag auf das Schärfste. "Die österreichische Bundesregierung wird gemeinsam mit der UNO alles daran setzen, dass der Vorfall lückenlos aufgeklärt wird", so Darabos und Spindelegger in einer Aussendung.

Österreich werde zudem "umgehend einen deutlichen Protest" beim UNO-Sicherheitsrat einlegen. Das Außenministerium zitierte zudem noch am Donnerstagabend den syrischen Botschafter ins Ministerium. Der Generalsekretär des Außenministeriums, Johannes Kyrle, habe Bassam Sabbagh aufgefordert, für die "größtmögliche Sicherheit" der österreichischen Soldaten zu sorgen und die medizinische Versorgung sicherzustellen, hieß es in einer Aussendung des Außenministeriums. Der syrische Botschafter brachte demnach sein tiefes Bedauern zum Ausdruck und versprach die österreichischen Forderungen umgehend nach Damaskus weiterzuleiten.