Erstellt am 16. September 2015, 06:17

von Doris Fischer und Sigrid Janisch

Burgenland hat Tradition beim Helfen. 1956 kamen Tausende während der Ungarnkrise. Neben den DDR-Flüchtlingen kamen 1989 auch Flüchtlinge des Balkankrieges.

Schon seit den 50er-Jahren wird Österreich als Transitland genützt. Die meisten der Flüchtlinge reisten in all den Jahren wieder heim oder weiter in andere Länder. Als Beispiel: Nach dem Prager Frühling blieben rund 12.000 Menschen in Österreich, nach den Balkankriegen blieben rund 60.000 Menschen.  |  NOEN, Quelle UNHCR, Grafik BVZ/Bischof
Das Burgenland hat als Flüchtlingsland „Tradition“. Im November 1956 flohen rund 180.000 Ungarn über die burgenländische Grenze nach Österreich. Allein am 4. November kamen 5.000 Flüchtlinge in Eisenstadt an.

Am 19. August 1989 fand in St. Margarethen das Paneuropäische Picknick statt, es war der Auftakt für eine Flüchtlingswelle von Ostdeutschen, die über Ungarn ausreisten. Beim Picknick reisten 600 Menschen aus.

Am 11. September 1989 erlaubte Ungarn den DDR-Bürgern die Ausreise. Bis zu diesem Zeitpunkt waren bereits zehntausende Menschen über das Burgenland geflüchtet.

„Emotionen sind ähnlich, das Strahlen in den Augen“

Der Wiesener Alois Robic, Mitarbeiter des Samariterbundes, war damals als Helfer vor Ort und hilft jetzt in Wiesen: „Die Emotionen sind ähnlich, das Strahlen in den Augen, vor allem in denen der Kinder, ist gleich wie damals. Nur die Sprachbarrieren hat es mit den Ostdeutschen nicht gegeben.“

Historiker Gerald Schlag versucht zu erklären, warum es heute – im Gegensatz zu den 80er-Jahren – auch Ablehnung in der Bevölkerung gibt: „Damals handelte es sich um eine europäische Gesellschaft mit christlichen Werten. Jetzt haben wir eine orientalische Gesellschaft. Die jetzigen Flüchtlinge sind froh, dass sie kommen konnten. Aber sie haben andere Werte im Leben. Ich fürchte, dass jene, die bleiben werden, in Isolation – in eine Art Ghetto – geraten könnten.“