Erstellt am 19. August 2015, 16:14

von APA Red

Darabos garantiert Quoten-Erfüllung durch Burgenland. Landesrat sprach von Erfüllung "in kurzer Zeit" und besuchte mit Landeshauptmann Niessl und Caritas-Chef Landau das "Haus Sarah" der Caritas für unbegleitete Minderjährige in Neudörfl (Bezirk Mattersburg).

LR Norbert Darabos am Mittwoch, 19. August 2015, im Rahmen eines Presse-Besuchs im Flüchtlingshaus Neudörfl.  |  NOEN, APA/Georg Hochmuth
Besuch von der Politik am Mittwoch im "Haus Sarah" in Neudörfl, wo die Wiener Caritas 30 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge betreut: Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) Soziallandesrat Norbert Darabos (SPÖ) machten sich in Begleitung von Caritas Präsident Michael Landau ein Bild von der Situation. Darabos garantierte dabei die Quotenerfüllung durch das Burgenland - "in kurzer Zeit".



Es sei "unmenschlich und unwürdig", in einer Republik, die zu den reichsten der Welt gehöre, dass man Menschen im Zeltlager schlafen lasse, meinte Darabos. "Auch wir im Burgenland müssen unsere Aufgaben erfüllen. Wir haben hier auch eine Bringschuld", fügte der SPÖ-Politiker hinzu.

Derzeit gebe es im Burgenland 1.500 Flüchtlinge in Landesbetreuung, damit liege man um 60 unter der Quote. Allerdings kämen bis zum Jahresende noch mehr Flüchtlinge.

Es sei "eine Sisyphusarbeit", die nötigen Quartiere bereitstellen zu können. Man habe aktuell 300 Quartiere "in der Pipieline" und werde dafür sorgen, dass die Quote bis Ende August erfüllt werde. Von Bischof Ägidius Zsifkovics gebe es die Zusage, dass die Kirche 200 Quartiere schaffe, so Darabos.

"Hinweise, wie ein gutes Miteinander gelingen kann"

Darabos wies wie Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) darauf hin, dass beim Burgenland "vergessen" werde, dass man 300 Flüchtlinge habe, die nicht in die Quote eingerechnet würden, weil sie 48 Stunden aufgenommen und dann durch andere ersetzt würden.

Es gehe auch um Akzeptanz - er sehe diese "durchaus, wenn es um Kriegsflüchtlinge geht", sagte Darabos: "Ich garantiere, dass wir die Quote in kurzer Zeit erreichen werden.

Landeshauptmann Niessl bezeichnete das "Haus Sarah" als österreich- und europaweites "Mustermodell". Für die Sammelstellen in Nickelsdorf, Schattendorf und Heiligenkreuz, wo "die schwierigste und härteste Arbeit" geleistet werde, kündigte er einen "Faktencheck" an. Rechne man die Sammelstellen dazu, sei das Burgenland auch bei der Gesamtquote die "Nummer Eins" in Österreich, argumentierte der Landeshauptmann.

"Neudörfl, das ist ein Synonym menschlicher, fairer Asylpolitik. Das Synonym, das eine andere, eine finstere Seite des österreichischen Asylwesens darstellt, liegt keine 40 Kilometer von hier entfernt: Es ist das Erstaufnahmezentrum Traiskirchen", sagte Caritas Präsident Landau. Das "Haus Sarah" könne Hinweise geben, "wie ein gutes Miteinander gelingen, wie die Quartiersuche zu einem guten Ende gebracht werden kann."

Dass es gelingen könne, davon sei er überzeugt: "Österreich kann das, das habe wir in der Vergangenheit gezeigt." Zur im Burgenland angedachten Volksbefragung zum Asylthema meinte Landau: "Wir brauchen eine Gewissensbefragung, wir brauchen keine Volksbefragung."

Ortschef Posch: "Nicht die Kugel hin- und herschieben"

In der momentanen Situation brauche es einen Schulterschluss von Bund, Ländern, Gemeinden, aber auch der Kirche und der Zivilgesellschaft. "Zusammenstehen, das ist auch die Stärke Österreichs." Man müsse nüchtern sagen: "Das Recht auf Asyl ist nicht quotenfähig", so Landau.

Neudörfl könne ein Beispiel sein, "dass man mit Verantwortung und Geradlinigkeit ein Thema, das alle Menschen bewegt, von einer positiven Seite her und von einer menschlichen Seite her bewegen kann, nicht von einer Angst machenden Seite", sagte Ortschef Dieter Posch (SPÖ). Als Bürgermeister erwarte er sich von politischen Entscheidungsträgern, "dass sie eine Gesamtverantwortung anpacken und nicht die Kugel hin- und herschieben, bis sie am Ende irgendwo liegen bleibt."

Im "Haus Sarah" werden derzeit 30 unbegleitete minderjährige Asylwerber betreut. Die größte Gruppe der betreuten Burschen komme aus Afghanistan, die zweitgrößte aus Somalia, erläuterte die Leiterin Edith Ivancsits. Andere Bewohner sind aus Syrien, Bangladesch, Nigeria, Gambia, Eritrea und dem Irak.

Im Haus gebe es auch 26 Plätze für Erwachsene. Ein Team aus 15 Personen kümmert sich um die Betreuung, Lehre, Hauswirtschaft und Administration. Rund zehn ehrenamtliche Mitarbeiter machen hauptsächlich die Lernbetreuung. Zur Gemeinde Neudörfl gebe es einen sehr guten Kontakt. Dadurch sei es möglich, dass Burschen aus dem Haus Mitglieder in Vereinen werden, zum Beispiel bei der Feuerwehr oder im Fußballverein.