Erstellt am 27. Januar 2011, 08:08

Darabos-Modell nach Minister-Intervention billiger. Die von Verteidigungsminister Norbert Darabos präferierte Variante eines Freiwilligen-Heers wäre nach ursprünglichen Plänen teurer gekommen.

 |  NOEN
Das berichtet der "Standard". Demnach waren im ersten Bericht Kosten von 2,6 Milliarden angegeben, im schließlich der Öffentlichkeit präsentierten aber nur noch 2,1 Milliarden, womit das "neue Heer" genauso viel kosten soll wie das bisherige System mit Wehrpflicht.

Der Sprecher des Verteidigungsministers bestätigte Mittwochabend auf Anfrage der APA, dass es zwei Berichte gegeben habe. Nach Vorlage des Zwischenberichts habe das Ministerbüro eine Neuberechnung verlangt, da gewisse Kostenannahmen "unrealistisch hoch angesetzt" gewesen seien. So sei eine Milizprämie von 10.000 Euro pro Mann und Jahr sowie eine Auslandseinsatzprämie von 12.000 Euro berechnet worden.

Dies kam dem Verteidigungsressort zu hoch vor. 5.000 Euro bei der Miliz und 7.200 Euro bei den Auslandseinsätzen müssten genug sein, befanden Darabos' Experten. Mit dieser Neuberechnung kam man dann eben auf die 2,1 Milliarden. Ein im "Standard" nicht namentlich zitierter ranghoher Militär kritisiert hingegen unrealistische Annahmen. So hätte man zum Beispiel die erwarteten Verkaufserlöse durch Bundesheer-Liegenschaften höher geschraubt. Die Kosten für Auslandseinsätze seien dafür hinuntergedreht worden.

Darabos-Sprecher Stefan Hirsch wiederum verweist auf das Endgutachten, das von den Experten der Planungsabteilung erarbeitet worden sei. Dort sei auch der Satz gestanden, dass die Annahmen hinsichtlich der 5.000 Euro-Prämie "durchaus angemessen" seien und eine Rekrutierung aus dem Miliz- und Reservestand erfolgsversprechend erscheinen ließen. Just dieser Satz war vor der Übergabe an den Minister geschwärzt worden. Medienberichte, wonach der abgelöste Generalstabschefs Edmund Entacher selbst die Streichung vorgenommen habe, wurden von diesem dementiert. Er konzedierte freilich, von den Streichungen gewusst zu haben.

Entrüstet zeigte sich die FPÖ über die Inhalte des "Standard"-Berichts. Sollte sich bestätigen, dass Darabos die Berechnung seines Präferenzmodells zur Abschaffung der Wehrpflicht "getürkt" habe, dann sei das Fass endgültig übergelaufen und Darabos möge besser noch heute als morgen den Hut nehmen. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss sowie eine Ministerklage wären die einzig logischen Konsequenzen daraus, befand FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky.