Erstellt am 29. Dezember 2012, 00:19

Darabos prangert Wehrdienst als "ineffizient" an. Verteidigungsminister Norbert Darabos (S) hat am Freitag erneut für sein Berufsheer-Modell geworben und sich gegen die Kritik des Koalitionspartners gewehrt.

Darabos prangerte bei einer Pressekonferenz die Wehrpflicht als "ineffizient" an. Zwei von sechs Monaten Grundwehrdienst dienen der Ausbildung und nur vier der Verwendung am Arbeitsplatz. Danach scheiden die Rekruten aus dem Heer aus. Das verursache einen hohen Personal- und Kostenaufwand, so Darabos, der weiter bei seiner Darstellung bleibt, wonach ein Berufsheer nicht mehr koste als das bestehende System.

Dass ihm die ÖVP in dieser Frage vorwerfe, mit den Zahlen zu tricksen, wies Darabos als "Propaganda" zurück. Er will die Personalkosten senken, indem die Zahl der Zeitsoldaten erhöht und jene der Berufssoldaten reduziert wird. Zeitsoldaten hätten nämlich eine "längere Nutzungsdauer" als Rekruten und verursachen weniger Verwaltungsaufwand. Der Minister gab auf Nachfrage aber zu, dass eine Verschiebung von Dauerberufs- auf Zeitsoldaten auch im jetzigen System möglich wäre und nicht direkt mit dem Grundwehrdienst zusammenhänge.

Der springende Punkt sei aber ohnehin die Abschaffung des "Zwangsdienstes". Dieser sei mit der geänderten Bedrohungslage ein Auslaufmodell. Durch die Verkürzung des Grundwehrdienstes auf sechs Monate sei dieser zudem nicht mehr reformierbar. Durch die viermonatige Verwendung am Arbeitsplatz brauche das System drei Grundwehrdiener pro Jahr für jeden einzelnen Posten, sagte Darabos. Daraus resultiere auch die hohe Zahl an Systemerhaltern von rund 60 Prozent. Das System produziere mehr Köche und Kellner als Infanteristen.

Zudem seien rund 40 Prozent der Arbeitszeit der Berufs- und Zeitsoldaten durch die Ausbildungstätigkeiten gebunden. Neben 500 Heeresmitarbeitern seien auch 450 Grundwehrdiener mit der Einberufungs- und Musterungsbürokratie befasst. "Rekruten mustern Rekruten. Das ist Selbstverwaltung in Reinkultur", so Darabos. Ein Berufsheer wäre dagegen viel effizienter, sagte der Minister. Freiwillige wären zu dem "engagierter und motivierter".

Was er nach der Volksbefragung am 20. Jänner mache, wenn die Wehrpflicht erhalten bleibt, wollte Darabos nicht beantworten. Er werde zunächst "die Ergebnisse analysieren" und "danach werden wir gemeinsam zu entscheiden haben".