Erstellt am 28. August 2013, 00:00

„Das ist ganz grausig“. Hass-Postings / Hetzerische Facebook-Gruppe hatte etliche Mitglieder im Burgenland. FPÖ-Chef Tschürtz: „Habe die Seite nie besucht.“

Aktiv auf Facebook: Andrea Kellner (l.), eine der sieben Administratoren, war oft bei den burgenländischen Freiheitlichen zu Gast.  |  NOEN, Screenshot: Facebook

Der vom Netzwerk „Heimat ohne Hass“ und vom Magazin „News“ aufgedeckte Skandal um die geheime FPÖ-Facebook-Gruppe schlägt auch im Burgenland ordentlich Wellen. Der BVZ liegt eine Liste mit Gruppen-Mitgliedern vor, in der etliche burgenländische Freiheitliche aufscheinen.

x  |  NOEN, Screenshot: Facebook
Allen voran FPÖ-Chef Johann Tschürtz, der angibt, die Seite nie besucht und die extremen Hass-Postings nicht gelesen zu haben: „Das ist ja das Kuriose an Facebook – dass man zu Gruppen hinzugefügt wird, ohne davon zu wissen.“ Tatsächlich unterscheiden die Aufdecker in ihren Aufzeichnungen zwischen aktiven und passiven Gruppen-Mitgliedern, wobei Tschürtz zu Letzteren zählte. „Das ist ganz grausig“, verurteilt der burgenländische FP-Chef die Internet-Verhetzung, „alle, die das gepostet haben, müssen zur Verantwortung gezogen werden.“

Postings in der Gruppe? „Weiß ich nicht mehr …“ 

Wie Tschürtz gaben auf Anfrage der BVZ unter anderem auch der ehemalige blaue Landesgeschäftsführer Siegfried Zeltner, die Güssinger FPÖ-Funktionärin Christine Roposa oder Jennersdorfs FP-Bezirksgeschäftsführer Michael Kristan an, in die Gruppe eingeladen worden zu sein und von hetzerischen Aktivitäten nichts bemerkt zu haben. Schattendorfes stellvertretender FPÖ-Obmann Peter Tengler wiederum soll selbst auf der Seite aktiv gewesen sein. Gegenüber der BVZ meinte er nur: „Das weiß ich nicht mehr. Ich kann mich nicht mehr erinnern.“

Verbindungen zum Burgenland hat auch die Bad Fischauer FP-Gemeinderätin Andrea Kellner, die als eine der sieben Administratoren der umstrittenen Seite für Schlagzeilen sorgte. Sie verteidigt sich: „Ich kann nicht 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche kontrollieren, was auf Facebook passiert.“

Während die Gruppe nach wie vor aktiv ist, kündigte auch „Heimat-ohne-Hass“-Sprecher Manfred Walter gegenüber der BVZ an, dass es weitere Enthüllungen geben werde: „Wir sind kein Wahlkampf-Gag und werden die rechten Netzwerke weiter scharf beobachten.“
 


Die FPÖ-Gruppe

Mit zwei gefälschten Accounts bekam das Netzwerk „Heimat ohne Hass“ Zugang zur Facebook-Gruppe „Wir stehen zur FPÖ!“ und entdeckte nicht nur Islam-feindliche und antisemitische Postings, sondern auch prominente Mitglieder aus der FPÖ.

Alle hetzerischen Aktivitäten wurden gespeichert und der Staatsanwaltschaft übergeben.