Erstellt am 17. April 2013, 00:00

Der Fall BEGAS. Unansprechbar in der U-Haft / Anwalt Kier macht sich Sorgen um seinen Mandanten. Betriebsrat Roth bricht eine Lanze für die Mitarbeiter.

Angeschlagen: Rudolf Simandl kann laut Gutachten erst in Monaten einvernommen werden.  |  NOEN, Foto: BVZ
Von Wolfgang Millendorfer

„Er sitzt nur in seiner Zelle und ist kaum ansprechbar“, beschreibt Anwalt Roland Kier gegenüber der BVZ die Verfassung seines Mandanten Rudolf Simandl. Der wegen Untreue und Abgabenhinterziehung verhaftete Ex-Boss der BEGAS könne erst in zwei bis drei Monaten einvernommen werden, meint Kier; er sei derzeit weder körperlich noch geistig dazu in der Lage.

Obwohl Simandl in der Justizanstalt Wien-Josefstadt ärztlich betreut wird, rechnet der Anwalt mit einer Verlegung seines prominenten Mandanten in ein Krankenhaus. Gegen die vor zwei Wochen verhängte U-Haft hat Kier, wie bereits berichtet, Beschwerde eingereicht. Eine Entscheidung darüber wird das Oberlandesgericht Wien demnächst fällen.

Während die Ermittlungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft weiterhin in verschiedenste Richtungen laufen, brachte nun auch die Energie Burgenland eine Klage gegen Simandl ein. Deren Ziel ist es, „jeden einzelnen Euro, der unrechtmäßig dem Unternehmen entzogen wurde, zurückzuholen“. Die Summe beläuft sich auf rund 2,8 Millionen Euro – vorerst. Als Rechtsnachfolger der BEGAS prüft die Energie Burgenland auch frühere Auftragsvergaben und wird die Klage gegebenenfalls ausweiten.

„Wir sind tagtäglich damit konfrontiert“

Geprüft werden auch mehr als 100 Selbstanzeigen von Mitarbeitern. So soll es Klarheit über etwaige Unregelmäßigkeiten geben. „Am besten so bald wie möglich“, wenn es nach Energie-Burgenland-Betriebsrat Hartwig Roth geht.

Er betrachtet die Causa aus sicht der (Service-)Mitarbeiter: „Sie sind tagtäglich bei den Kunden und werden mit der Sache konfrontiert. Deshalb soll alles aufgeklärt werden, um wieder in ruhigeres Fahrwasser zu kommen.“


Der Fall BEGAS

  • Wegen nicht korrekt versteuerter Privatausgaben tauchten im Vorjahr immer mehr Ungereimtheiten rund um die ehemaligen BEGAS-Vorstände Rudolf Simandl und Reinhard Schweifer auf.
  • Die Korruptionsstaatsanwaltschaft führt in der Causa mittlerweile zwölf Beschuldigte. Neben den Auftragsvergaben der BEGAS werden zudem auch frühere Mitarbeiter-Privilegien aufgerollt.
  • Simandl steht im Verdacht der Untreue und Abgabenhinterziehung. Ihm werden unter anderem Privatanschaffungen auf Firmenkosten und ungerechtfertigte Spesenrechnungen vorgeworfen.