Erstellt am 26. Februar 2014, 23:59

der „Hintermänner“. Niessl ab. Dieser hat „Vermutungen“ über Hintergründe der Causa.

 |  NOEN, BVZ

Zuletzt überstürzten sich die Ereignisse in der „Geldkuvert-Affäre“ rund um Landeshauptmann Hans Niessl und den Tiroler Industriellen Manfred Swarovski: Eine öffentliche Erklärung des mutmaßlichen Zeugen Andreas Wecht warf nun aber weitere Fragen auf. Die SPÖ sieht eine „miese Schmutzkampagne“ und recherchiert die Hintergründe der Causa.

Wie berichtet, hatte der – zunächst anonyme – Zeuge im Magazin „profil“ erklärt, Niessl habe bei einem Besuch in Swarovskis Firma Swarco in Wattens ein Kuvert mit 10.000 Euro entgegengenommen.

x  |  NOEN, zVg

Sowohl Niessl, als auch Swarovski dementierten. Seitdem die Identität des Zeugen bekannt ist – Wecht gab unter anderem an, das Geld selbst von der Bank geholt zu haben –, gibt es nicht nur bezüglich des Zeitpunktes der angeblichen Übergabe Widersprüche.

Andreas Wecht ist auch als FPÖ-Funktionär in Tirol tätig und zudem prominenter Manager – und: ehemaliger Vorstandssprecher der Swarco Holding. Gegenüber „profil“ blieb er bei seinen Aussagen: Zwar will Wecht nicht mehr genau wissen, ob er das Geldkuvert Niessl oder Swarovski in die Hand gegeben habe, er würde aber als Zeuge vor Gericht aussagen. Das mögliche Verfahren wird jetzt mit Spannung erwartet.

Aussage gegen Aussage: Klärung vor Gericht 

Im Gespräch mit dem ORF Burgenland gab Wecht aber auch eine Ehrenerklärung für Niessl ab: Er halte den Landeshauptmann nicht für bestechlich, eventuell sei „da eine Spende vergessen worden“.

Niessl spricht weiterhin von Rufmord und bleibt ebenfalls dabei, in all den genannten Zeitspannen (zwischen 2009 und 2010 – im Vorfeld der burgenländischen Landtagswahl) überhaupt nicht in Wattens gewesen zu sein. Somit steht nun Aussage gegen Aussage.

Die Swarco AG, die auch in Neutal ein Werk betreibt, sieht einen Zusammenhang mit einer laufenden Klage gegen Wecht. Außerdem wurde das Dienstverhältnis mit Wecht 2010 wegen Alkoholproblemen aufgelöst.

Für eine Stellungnahme gegenüber der BVZ war Wecht nicht erreichbar. Auch die FPÖ Tirol will die Causa nicht kommentieren. Nur soviel: Es handle sich hier eindeutig nicht um eine Angelegenheit der Partei.

Niessl: „Hintergründe vollständig aufklären“ 

Parteipolitik spielt aber aus der Sicht von SPÖ-Klubobmann Christian Illedits und Landesgeschäftsführer Robert Hergovich eine Rolle. Nachdem Wecht angegeben hatte, die Sache nicht ins Rollen gebracht zu haben, sucht man nun nach den „Hintermännern“.

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Die Kernfrage für die SPÖ lautet: „Wer hat Interesse daran, den Landeshauptmann derart zu denunzieren?“ Zusammenhänge sieht man mit der Landtagswahl 2015 und Niessls Wiederkandidatur. Gerüchte, der Informant komme aus den eigenen Reihen, haben sich bislang nicht bestätigt. Was die SPÖ angeht, legt Hergovich dafür auch „die Hand ins Feuer“.

„Wir haben unsere Vermutungen“, sagte indes Landeshauptmann Niessl gegenüber der BVZ, „und die haben wir auch der Staatsanwaltschaft weitergegeben.“ Mittlerweile wurden mehrere Klagen eingebracht. Und dabei, so Niessl, gehe es um „eine deutlich höhere Summe“ als 10.000 Euro.

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Landeshauptmann Hans Niessl: „Die Hintergründe können meiner Meinung nach nur parteipolitische sein. Wir haben unsere Hinweise in die Sachverhaltsdarstellungen eingebracht und an die Staatsanwaltschaft weitergegeben. Wir haben unsere Vermutungen.“

SPÖ-Klubchef Christian Illedits: „Wir sind entschlossen, den Ruf des Landeshauptmannes so schnell wie möglich wiederherzustellen und die Sache vollständig aufzuklären – auch im Sinne des Landes.“

SPÖ-Landesgeschäftsführer Robert Hergovich: „Es ist anzuerkennen, dass sich ÖVP und FPÖ im Burgenland hinter den Landeshauptmann gestellt haben. Das heißt aber nicht, dass es in der Bundespolitik keine Kräfte gibt, die Interesse daran haben, derartigen Schaden anzurichten.“

Aussendung der Swarco AG: „Herr Wecht hat in jüngster Vergangenheit gegenüber dem Unternehmen (…) mit ,Konsequenzen‘ gedroht, nachdem er wegen einer nicht erfüllten Zahlungsverpflichtung gegenüber der Swarco AG geklagt werden musste.“

FPÖ-Chef Hans Tschürtz über Wecht: „Es kann nicht sein, dass jemand unter dem Deckmantel der FPÖ private Fehden austrägt und damit das Ansehen der Partei schädigt.“


Kurios: Ein skurriles Detail am Rande der „Geldkuvert-Affäre“ führt nach Loipersbach: In der Gemeinde von FPÖ-Chef Hans Tschürtz ist Horst Finsterwalder als blauer Vize-Ortsparteiobmann tätig. Der aus Tirol stammende Finsterwalder wurde 2009 wegen interner Reibereien aus der FPÖ-Telfs ausgeschlossen. Zufällig dieselbe Ortsgruppe, in der auch Andreas Wecht tätig war – und die wiederum von Tschürtz zum Ausschluss Wechts aufgefordert wurde …