Erstellt am 27. August 2012, 13:10

Diakonie: Schulstartgeld und Schülerbeihilfe ändern. Für eine Reform von Schulstartgeld und Schülerbeihilfe plädiert die Diakonie. Das Schulstartgeld sei in jedem Bundesland anders geregelt - mit jeweils unterschiedlichen Auszahlungsbeträgen, Anspruchsvoraussetzungen, Antragsstellen und Fristen, hieß es in einer Aussendung.

Nötig sei ein bundesweit einheitliches Startgeld für armutsbetroffene Kinder mit klaren Antragstellungen und Anspruchsvoraussetzungen. Die Schülerbeihilfe wiederum solle nicht mehr an einen Notenschnitt gekoppelt sein und auch die neunte Schulstufe umfassen.

Das Schulstartgeld existiert derzeit in sechs Bundesländern und liegt zwischen 29 und 158 Euro. Konzipiert ist es entweder als Geldleistung (Burgenland, Tirol. Oberösterreich, Salzburg), Gutschein (Kärnten) oder Sachleistung (Wien), kein Startgeld gibt es in Niederösterreich, Vorarlberg und der Steiermark.

Für "dringend reformbedürftig" hält die Diakonie außerdem die Schülerbeihilfe. Diese solle ein Beitrag für sozialen Ausgleich und Hilfe für Kinder aus einkommensschwachen Familien sein. Deshalb müsse sie stärke an den positiven Abschluss eines Schuljahrs und nicht an den Notenschnitt gekoppelt sein, zumal es für gute Noten ohnehin einen Erhöhungsbeitrag gebe. Da es gerade in der neunten Schulstufe hohe Ausbildungskosten und die weitere Bildungsentscheidung anstehe, müsse sie auch in diesem Schuljahr ausgezahlt werden.

Änderungen verlangt die Diakonie außerdem bei den Finanzierungshilfen für Schulveranstaltungen: Für diese gebe es keinen Rechtsanspruch und in der Regel überaus niedrige Einkommensgrenzen. Als Folge würden die Hilfen nur selten in Anspruch genommen.

Laut dem Sozialexperten der Diakonie, Martin Schenk, gelten 135.000 Kinder und Jugendliche in Österreich als manifest arm, mehr als 200.000 leben in äußerst beengten Verhältnissen - wodurch sie zu wenig Platz zum Spielen und Arbeiten und z.B. keinen eigenen Schreibtisch haben. Immer mehr Eltern würden außerdem nicht mehr leistbare Beiträge zu Schulbeginn beklagen. "Ein einfaches Startpaket für einen Schulanfänger bestehend aus Schultasche, Sportbeutel, Heften, verschiedenen Stiften, Handarbeitskoffer, Malfarben kostet 100 bis 300 Euro", so Claudia Röthy, Geschäftsführerin der Stadtdiakonie Wien. Dazu kämen noch je nach Schulstufe und Schultyp Beiträge wie Kopierkosten, Milchgeld, Abos für Jugendliteratur, Projekt- und Wandertage, Elternvereinsbeiträge und vieles mehr. Die Diakonie verlangt deshalb unter anderem auch, Schulen in sozial benachteiligten Gebieten besonders gut auszustatten und zu fördern.