Erstellt am 15. Juli 2011, 13:49

Diskussion um Feriendauer als Wiedergänger. Auch die Länder sind sich nicht darüber einig, ob kürzere Sommerferien Nutzen oder Schaden bringen. In Niederösterreich steht man der Debatte um die Verkürzung der Sommerferien ablehnend gegenüber.

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Die steirische Bildungslandesrätin Elisabeth Grossmann (S) ist für eine Verkürzung um ein bis zwei Wochen und fordert, dass es statt der schulautonomen so genannte familienautonome Tage geben soll, heißt es aus ihrem Büro.

Auch die derzeitige Vorsitzende der Landeshauptleutekonferenz, Salzburgs Gabi Burgstaller (S), plädiert für kürzere Ferien und kann sich eine Neueinteilung des Schuljahres schon 2012 vorstellen. In ihrem eigenen Bundesland ist Burgstaller erst 2010/11 mit dem Versuch, Herbstferien einzuführen, gescheitert; Schüler, Eltern und Lehrer hatten diese mehrheitlich abgelehnt.

Vorarlbergs Schullandesrat Siegi Stemer (V) ist ebenfalls ein Befürworter: "Es besteht seit Jahren die breite Meinung, dass neun Wochen zu lang sind, bis jetzt ist eine Änderung aber immer am fehlenden Konsens der Partner gescheitert", stellte Stemer fest. Das Schuljahr solle stärker nach lernpädagogischen Erkenntnissen eingeteilt werden, demnach sollte auf fünf bis sechs Wochen Unterricht jeweils eine Erholungspause folgen. In Sachen Herbstferien verwies Stemer darauf, dass es diese in Vorarlberg durch die Bündelung von schulautonomen Tagen bereits seit 2004 gibt. "Die Zustimmung für diese Herbstferien liegt in Vorarlberg bei 80 Prozent".

Für Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK) wären kürzere Sommerferien ebenfalls ein Gewinn für Eltern und Kinder. Herbstferien sähe er als interessante Möglichkeit für die Tourismuswirtschaft.

Die oberösterreichische Bildungslandesrätin Doris Hummer (V) befürwortet sowohl eine Verkürzung der Sommer- als auch die Einführung von Herbstferien. Eine Woche im Sommer würde weder Schülern noch Pädagogen abgehen, sagte sie im APA-Gespräch, auch nicht Oberstufenschülern, die einen Teil ihrer Ferien arbeiten. Im Gegenzug könne man dafür im oft stressigen Herbst "nicht nur Freizeit, sondern auch Lernzeit" schaffen. Angesichts der vielen Jugendlichen, die Nachhilfe in Anspruch nehmen, wünscht sie sich für den Sommer zudem freiwillige talentorientierte Vertiefungs- oder Förderangebote an den Schulen.

Der Wiener Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch sieht die Initiative positiv, auch bei der Ganztagsschule zeige sich, dass kleinere Lerneinheiten besser sind. Dieses Modell sei auch auf die Verteilung der Ferien übers Schuljahr umlegbar. Wichtig wäre allerdings, dass eine gesamtösterreichische Lösung gefunden werde.

In Niederösterreich steht man der Debatte um die Verkürzung der Sommerferien hingegen ablehnend gegenüber. "Wir sind tendenziell nicht für eine Verkürzung der Sommerferien", hieß es im Büro von Bildungslandesrat Karl Wilfing (V) auf Anfrage der APA. Bei der Diskussion handle es sich um die "jährliche Sommerlochdebatte". Begründet wurde die Ablehnung damit, dass der Sommer die heißeste Zeit des Jahres sei, diese in überhitzten Klassenräumen zu verbringen, wäre für die Kinder nicht angenehm. Zudem sei der Herbst eine "intensive Lernphase" und durch eine Unterbrechung für Herbstferien würde dieser Betrieb wieder "gedrosselt". Auch das Problem mit der Kinderbetreuung in der schulfreien Zeit würde sich dadurch nicht lösen, sondern nur zeitlich verschieben, betonte Wilfing.

Skeptisch ist auch die burgenländische Bildungslandesrätin Michaela Resetar (V), ließ sie über ihren Sprecher ausrichten. Wenn überhaupt, wäre für sie maximal die Verkürzung um eine Woche denkbar. Diese solle man allerdings nicht in den Herbst verschieben, sondern an die Semesterferien anhängen. Von Herbstferien halte die Landesrätin nichts, hieß es aus ihrem Büro.

In Tirol können die allgemeinbildenden Pflichtschulen unterdessen schon seit 1991 schulautonom die Sommerferien um eine Woche verkürzen. 70 Prozent würden das inzwischen annehmen, hieß es aus dem Büro der zuständigen Landesrätin, Beate Palfrader (V). Dafür werde dieser Block von der Dauer einer Woche für Herbstferien genutzt. Dies sei aus touristischen Überlegungen Anfang der 1990er im Tiroler Schulorganisationsgesetz festgelegt worden.

Grünen-Bildungssprecher Harald Walser sieht "gute sachliche Gründe, über eine Neuverteilung der Lernzeiten an unseren Schulen nachzudenken. Sowohl im Tages- als auch im Jahresrhythmus". Aus seiner Sicht müssten auch die 50-Minuten-Einheiten, die fixe Beginnzeit um 8 Uhr oder die Ferienplanung durchdacht werden. Allerdings erwartet auch Walser sich keine konkreten Auswirkungen der aktuellen Debatte, er habe vielmehr den Verdacht, "dass die Regierung das Thema zum Füllen des Sommerlochs missbraucht".

Das BZÖ spricht sich für sieben statt neun Wochen Sommerferien mit gleichzeitiger Einführung zweiwöchiger Herbstferien aus, "um die pädagogisch ineffiziente lange Sommerpause" zu verkürzen. Im Herbst soll ein entsprechender Antrag im Parlament eingebracht werden, erklärte Obmann Josef Bucher.