Erstellt am 19. September 2012, 07:49

Erfolgreiche Darfur-Geheimverhandlungen im Burgenland. Ein Durchbruch zum Schutz von Kindern im afrikanischen Bürgerkriegsland Sudan wurde bei vertraulichen Verhandlungen im Österreichischen Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung (ÖSFK) in Stadtschlaining im Burgenland erzielt.

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 Die Führung der in Darfur operierenden Rebellengruppe "Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit" (JEM) sicherte laut ÖSFK-Aussendung vom Dienstag zu, im Kampf gegen die Regierungstruppen künftig auf den Einsatz von Kindersoldaten zu verzichten.
 
In Darfur sind seit 2003 nach UNO-Schätzungen mehr als 300.000 Menschen gewaltsam umgekommen. Regimetreue arabische Janjaweed-Reitermilizen terrorisierten die ansässige Bevölkerung. Ungefähr 2,5 Millionen Menschen wurden vertrieben, eine Viertelmillion flüchtete in das Nachbarland Tschad. Gegen den sudanesischen Machthaber Omar al-Bashir besteht seit 2009 ein Haftbefehl des Haager Internationalen Strafgerichtshofes wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Darfur.
 
Fünf Tage lang hatten sich im Juli fünf ranghohe Diplomaten der gemeinsamen Mission von Afrikanischer Union und Vereinten Nationen in Sudan (UNAMID) und sechs Vertreter der JEM-Rebellen zu vertraulichen Konsultationen auf die Friedensburg Schlaining zurückgezogen, um über den Schutz von Zivilisten im Bürgerkriegsgebiet zu beraten. "Das Ergebnis wird den Friedensbemühungen für Darfur einen neuen Impuls geben", zeigte sich der Leiter der UNAMID-Delegation schon bei der Abreise aus Österreich überzeugt. Unmittelbar nach der Rückkehr in den Sudan erließ die JEM-Militärführung eine schriftliche Weisung an alle Feldkommandanten, die jede weitere Rekrutierung von Minderjährigen verbietet und unter Strafe stellt, wie das ÖSFK mitteilt.
 
Kinder und Jugendliche, die bereits in den Reihen der Rebellen kämpfen mussten, sollen demobilisiert und in die Gesellschaft reintegriert werden. "Das ist ein starkes Dokument, mit dem die Rebellen in vollem Umfang die internationalen Verpflichtungen im Hinblick auf den Schutz der Zivilbevölkerung anerkennen", betonte Bernadette Knauder, die seitens des ÖSFK die Verhandlungen begleitet hatte. "Kommandanten, die sich nicht daran halten, werden ausdrücklich mit Strafen bedroht." Die Menschenrechtsexpertin hatte im Rahmen der Verhandlungen unter anderem zwei Trainingsmodule zum humanitären Völkerrecht organisiert. "Außerdem geht es bei Treffen dieser Art vor allem darum, eine konzentrierte Gesprächsatmosphäre zu schaffen, die es den Teilnehmern ermöglicht, Vertrauen und Verbindungen aufzubauen", so Knauder.
 
   UNAMID-Chef Ibrahim Gambari (Nigeria) richtete ein Dankesschreiben an die Bundesregierung. Die rund 20.000 Blauhelme und mehr als 3700 Polizisten der UNAMID sollen das brüchige Darfur-Teilfriedensabkommen von 2006 umsetzen und dabei den Schutz der Zivilbevölkerung vor bewaffneten Überfällen gewährleisten. Außerdem beteiligen sich die Friedenssoldaten an humanitären und Wiederaufbauprojekten. An dem Darfur-Abkommen ist die JEM, die stärkste der Aufständischen-Organisation, nicht beteiligt.