Erstellt am 28. Januar 2014, 13:12

Ertlschweiger tritt Nachfolge an. Ab sofort wird mit Rouven Ertlschweiger ein weiterer Burgenländer im Nationalrat sitzen. Parteigründer Frank Stronach legt sein Nationalratsmandat zurück und wird am Mittwoch im Parlament eine Abschiedsrede halten.

Parteiobmann Frank Stronach und Landesparteiobmann Rouven Ertlschweiger  |  NOEN

Der Pöttschinger Rouven Ertlschweiger trat nun im Team Stronach die Nachfolge seines Parteichefs an. Frank Stronach zieht sich wie angekündigt aus dem Parlament zurück; Ertlschweiger bleibt im Burgenland weiterhin auch als Landesobmann im Einsatz.

Parteiobmann des Teams Stronach will der 81-jährige Austrokanadier vorerst bleiben, sagte er am Dienstag in einer Pressekonferenz, er ließ allerdings offen, wie lange noch. Stronachs Nationalratsmandat wird der Pressesprecher und burgenländische Landesparteiobmann Rouven Ertlschweiger übernehmen.

Auch ohne Parteigründer Frank Stronach im Parlament wird sich die Partei weiterhin "Team Stronach" nennen, wie Klubobfrau Kathrin Nachbaur bei der Pressekonferenz klarstellte. Geld wird es vom Milliardär allerdings keines mehr geben, auch nicht, falls das Team Stronach bei der EU-Wahl antreten sollte.

Antreten bei EU-Wahl offen

Stronach hätte zwar nichts gegen eine Umbenennung der Partei, wie er versicherte. Man habe aber im Bundesdirektorium einstimmig entschieden, dass die Bundespartei und die Landesparteien den Namen beibehalten, erklärte Nachbaur. Die Marke Stronach stehe für Wirtschaftskompetenz. Bei Gemeinderatswahlen werde die Partei als "Team" mit der Bezeichnung des jeweiligen Ortes antreten.

Ob die Partei bei der EU-Wahl im Mai antritt, ist weiter offen. Wenn sich jemand finden würde, der etwas geleistet habe und selbst ein bisschen Geld reinstecken würde, hätte Stronach aber nichts gegen einen Versuch. Geld will er aber so oder so nicht mehr in die Partei einzahlen: "Kinder müssen auch einmal flügge sein." Insgesamt habe er rund 30 Mio. Euro in sein politisches Projekt investiert - 20 Mio. als Spenden und zehn Mio. als zinsenfreies Darlehen, das die Partei auch nicht zurückzahlen müsse, wenn sie nach seinen Prinzipien handle, erklärte der Milliardär.

"Jeder hat immer meine Gunst gesucht"

Manchmal habe er sich schon die Frage gestellt, ob er das Geld nicht lieber in Sozialspenden investieren hätte sollen, meinte er bei seiner rund einstündigen Pressekonferenz unter großem Medieninteresse. "Jeder hat immer meine Gunst gesucht", aber als er dann in die Politik gegangen sei und das System kritisiert habe, "war ich plötzlich der schlimme Mann". Er habe persönlich nie jemanden angegriffen, aber sollte das passiert sein, wolle er sich entschuldigen. Es gehe ihm einfach ums System, "wir sind ein Funktionärsstaat".

Auch der ORF und die Medien hätten immer negativ über ihn berichtet. Er hätte sich mehr Wähler erhofft, räumte Stronach ein, aber zumindest sei der Einzug ins Parlament gelungen. Er sei zuversichtlich, dass dort nun seine Ideen weitergetragen werden.

Engagement nie bereut

Sein Engagement habe er "nie bereut" und auch enttäuscht ist der Parteigründer nach eigenen Angaben nicht: "Ich hoffe, ich habe einen Samen gesät, der voll mit Ideen ist." Ein Spielzeug sei sein politisches Projekt jedenfalls nicht gewesen. Er hoffe, dass die Österreicher früher oder später sagen, "Frank Stronach war eine gute Person". Warum er nicht die ganze Periode bleibt? "Ich bin keine Mutter Teresa", er habe eben eine gewisse Zeit investiert. Aber: "Ich bin ja nicht fanatisch."

Am Mittwoch wird Stronach jedenfalls noch einmal seinen großen Auftritt im Parlament haben. Er habe nur fünf Minuten Zeit und eigentlich müsste seine Rede der Wirtschaft gewidmet sein, aber dieses Thema könne er auch kürzer abhandeln. "Ich hab' einmal das kürzeste Gedicht gewonnen."

Stronach weiterhin Parteichef

Parteichef bleibt Stronach aber vorerst: Ob kurz oder lang, wisse er noch nicht, wobei kurz für ihn auch 20 Jahre sein könnten, scherzte der 81-Jährige. An der Kompetenzverteilung innerhalb der Partei arbeite man gerade, gewisse Dinge könne Nachbaur allein machen, andere wiederum das Präsidium. Seinen Rat darf die Partei auch weiterhin erfragen: Wenn jemand anrufe, "werde ich immer zurückrufen", versicherte er - aber: Je weniger, desto lieber sei es ihm.

Er habe ein gewisses Alter, wiewohl er sich sehr gut fühle, erklärte Stronach. Künftig will er sich nach Kanada zurückziehen und sich etwa um die Förderung seiner Enkelkinder kümmern. Er sei mittlerweile "fast mehr Kanadier als Österreicher".