Erstellt am 27. August 2013, 12:20

Experten sahen schaumgebremstes TV-Kanzlerduell. Als "unaufgeregt" und "schaumgebremst" haben Experten die gestrige erste Fernsehkonfrontation von Bundeskanzler und SPÖ-Chef Werner Faymann und Vizekanzler und ÖVP-Obmann Michael Spindelegger wahrgenommen.

APA14317336 - 26082013 - WIEN - …STERREICH: BK Werner Faymann (r./SP…) und VK Michael Spindelegger (…VP) am Montag, 26. August 2013, vor Beginn der Puls4-TV-Konfrontation zur NR-Wahl 2013 in Wien. APA-FOTO: HERBERT NEUBAUER  |  NOEN, HERBERT NEUBAUER (APA)
Nach fünf Jahren gemeinsamer Bundesregierung sei dies jedoch die richtige Strategie gewesen. Scharfe Attacken hätten die Wähler nur irritiert, stellten Meinungsforscher Peter Hajek und Politikberater Thomas Hofer im Gespräch fest.

"Es war ein sehr unaufgeregtes Duell. Das war strategisch klug angelegt", denn die Gefahr, dass man bei einem Fernsehduell Wähler verliert ist größer, als die Chance welche zu gewinnen, erklärte Peter Hajek. Hätten sich die beiden nach fünf Jahren "halbwegs gut funktionierender" Koalition nun im Fernsehen "bekriegt, würde das auf die Wähler komisch wirken, sie wären irritiert": "Insofern war es wahrscheinlich für beide Seiten der angenehmste und taktisch der klügste Weg."

Große Befreiungsschläge wären zu riskant

Die Erwartungen für eine TV-Konfrontation dürfe man generell nicht zu hoch stecken: "Fehlervermeidung ist viel wichtiger aus Kandidatensicht als den großen Befreiungsschlag zu riskieren, das ist viel zu riskant", so Hajek. Aus seiner Sicht machte keiner der beiden Spitzenkandidaten einen gröberen Fehler: "Vielleicht war Spindelegger der bisschen Aufgewecktere." Bei den Themen seien Klassiker zu erkennen gewesen, die eigenen Botschaften - Gerechtigkeit bei Faymann, Wirtschaft bei Spindelegger - wurden angebracht: "Auch hier gab es keine Überraschungen."

Ein "schaumgebremstes Duell, das eher mit Wattestäbchen als mit Säbeln" geführt wurde, hat auch Thomas Hofer gesehen. Verglichen damit, wie sich SPÖ und ÖVP in den vergangenen Wochen "durchaus eingeschenkt haben", haben sich die beiden Regierungsspitzen am Montagabend "sehr zurückgenommen": "Es war beileibe nicht der Showdown." Zwar sei es ÖVP-ChefSpindelegger zu Beginn gelungen, als "sehr offensiv und locker" zu überraschen. Mit Fortdauer des Duells sei aber immer deutlicher geworden, dass man sich harte Attacken "verkniffen" hat, da sie den Tag nach der Wahl im Kopf hatten. Inhaltlich wäre einiges an Attacken möglich gewesen, beide versuchten jedoch kanzlerfähig zu wirken, so Hofer.

Es sei klar gewesen, dass SPÖ-Chef Faymann seine Bilanz verteidigen werde, Spindelegger hingegen musste einen Spagat bewältigen. Seine Angriffe durften nicht zu aggressiv wirken, gleichzeitig musste er ein Stück weit "Opposition spielen". Als Kanzler und potenzieller Kanzler durften beide nicht übertrieben hart und aggressiv auftreten, meinte der Politikberater.