Erstellt am 14. März 2013, 11:07

Familienberatung: Mehr Lebensqualität als Ziel. Familien sind mit der Erfüllung ihrer Aufgaben zunehmend überfordert. Das zeigt auch die Statistik der Beratungsstellen des Burgenländischen Familienbundes.

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„Die Beratungsstellen sind deshalb wichtige Anlaufstellen für Familien und bieten Erste Hilfe in Notsituationen. Ziel einer erfolgreichen Beratungstätigkeit ist es, die Familien aus Überforderungssituationen hinaus zu begleiten und Lösungen zu erarbeiten“, so ÖVP-Familiensprecherin Andrea Gottweis.

Familie bildet als universale Institution das Fundament unserer Gesellschaft und erfüllt dabei Funktionen, ohne die Gesellschaften und Staaten nicht überleben könnten. Die Zukunft einer Gesellschaft wird durch die Familien, ihr Vorbild, ihre Erziehungsarbeit und auch andere Formen der Familienarbeit bestimmt.

Mehr und mehr Familien mit der Erfüllung ihrer Aufgaben überfordert, das zeigt die Statistik 2012 der burgenländischen Beratungsstellen des Burgenländischen Familienbundes.
„Wir haben im Jahr 2012 in den Beratungsstellen Pinkafeld und Eisenstadt 788 Beratungen durchgeführt. 107 Beratungen betrafen Erziehungsprobleme, 63 Verhaltensauffälligkeiten von Kindern und 98 Trennungs- und Scheidungsprobleme, weitere 76 das Thema Überforderung.

Interessant ist auch, dass die Mehrzahl der zu beratenden zwischen 30 und 39 Jahre alt ist, einen AHS oder BHS Abschluss hat und zwei Kinder. Die Anzahl der Verheirateten und Geschiedenen hält sich die Waage.

Mladenow: Lebensqualität der Familie verbessern
Für Familien gab es zu allen Zeiten Probleme zu bewältigen die einerseits immer gleich waren, und andererseits gab und gibt es spezielle Herausforderungen die die Zeit betreffen in der sie leben.
Die immer gleichen Bewältigungsaufgaben zu jeder Zeit sind zum Beispiel: Wie tut das Elternpaar miteinander? Wie werden die gemeinsamen Kinder erzogen? Wie entwickelt sich unser Kind? Sind wir finanziell gut versorgt?

„In der heutigen Zeit fällt mir aus meiner praktischen Tätigkeit auf, dass psychische Belastungen im Ansteigen begriffen zu sein scheinen. Möglicherweise ist durch das wachsende Bewusstsein der Bevölkerung eine höhere Sensibilität entstanden, die dazu führt, dass sich jetzt zunehmend mehr Menschen Hilfe holen. Vielleicht hat auch die moderne Zeit mit ihren beruflichen Herausforderungen dazu geführt, dass einfach die psychische Belastung gestiegen ist. Oder die zunehmende Außenorientierung durch die ständige Erreichbarkeit und den Hunger nach Informationen der einzelnen Familienmitglieder könnte eine Ursache sein. Als Folge leidet der familiäre Zusammenhalt und der moderne Mensch hat vor lauter tun keine Zeit mehr für sich und die anderen Menschen der Familie“, so Diplom-Sozialpädagoge Alexander Mladenov.

Die Ursachen der Belastungen und deren Auswirkungen sind von Familie zu Familie unterschiedlich. In manchen Familien kommt es zum sogenannten Burnout-Syndrom bei einem einzelnen Familienmitglied oder zu einer anderen psychischen Erkrankung wie zum Beispiel einer Depression. In anderen Familien kommt es zu psychischen oder physischen Misshandlungen von Kindern. Anfangs gelingt es meist gut die Anzeichen der familiären Überforderung zu kaschieren. Oft hat man als Betroffener das Gefühl versagt zu haben und man geniert sich dafür was in der Familie geschehen ist. Falls die Familie es schafft diese Hürden zu überwinden und sich Hilfe von außen zu holen, kann man in vielen Fällen neue und individuelle Lösungswege beschreiten.

In der Beratungsstelle des Familienbundes können sich Angehörige von psychischen Erkrankungen auf wertschätzende Art beraten lassen. Auch eine individuelle Erziehungsberatung die auf die speziellen familiären Bedürfnisse zugeschnitten wird, kann in Anspruch genommen werden. „Letztlich soll die Lebensqualität der Familie verbessert werden“, betont Mladenov.

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Gottweis: Familie ist „Mehr-Wert“
Neben unserer Beratungstätigkeit setzte ich mich als ÖVP-Familiensprecherin und als Vorsitzende des Familienbund Burgenland dafür ein, dass Familie als „Mehr-Wert“ in unserer Gesellschaft gesehen und lebbar gemacht wird:

Konkrete Forderungen um das zu erreichen sind:
• Eine für Eltern und Kinder zufriedenstellende Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Es muss selbstverständlich werden, dass bei der Fortsetzung der beruflichen Tätigkeit ein erfolgreiches berufliches Arbeiten und die Familienarbeit gut verbunden werden können.

• Eine Karenzzeit, die den individuellen Bedürfnissen der Familienmitglieder bestmöglich entspricht. Den unterschiedlichen Lebensphasen der Eltern soll jener Raum gegeben werden, den ihre Erziehungsarbeit erfordert. Die finanziellen Einschränkungen, die der Lebensabschnitt einer Familienbildung mit sich bringt, sollen dabei so abgefedert werden, dass keine nachhaltigen Benachteiligungen die Folge sind.

• Die Entwicklung eines Modells, bei dem auch die Großeltern in Karenz gehen können, wenn die Eltern die Karenz nicht in Anspruch nehmen. Auch die Kombination mit Altersteilzeit soll ermöglicht werden. Die Kinder sollen Anspruch auf die Karenz einer in direkter Linie verwandten Betreuungsperson haben.

• Der Wunsch der Väter in Karenz zu gehen, muss von Wirtschaft und Gesellschaft auch anerkannt werden. Programme zur Verbesserung dieser Akzeptanz sind Auftrag an die Politik. Ab Bekanntgabe ihres Karenztermins soll auch für Väter Kündigungsschutz bestehen.

• Eine „Krisenkarenz“ – angelehnt an das Modell der Bildungskarenz – als eine neu zu schaffende Möglichkeit für Väter oder Mütter, eine bestimmte Zeit - verbunden mit verpflichtenden familienunterstützenden Angeboten - in Karenz zu gehen, wenn sich z.B. das Kind in einer schwierigen Situation befindet, nicht mehr zurechtkommt und besondere Zuwendung und Hilfe braucht.