Erstellt am 23. November 2011, 21:28

Fekter: Sechs Stunden Mehrarbeit für Junglehrer. Junglehrer sollen künftig länger im Klassenzimmer stehen: Wenn es nach Finanzministerin Maria Fekter geht, soll die Unterrichtszeit dann 27 Wochenstunden statt bisher rund 21 Wochenstunden betragen.

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Jedoch sollen nur zwei Drittel, also vier der sechs zusätzlichen Stunden, extra entgolten werden, wie Fekter sagte. "Zwanzig Prozent mehr Gehalt, dreißig Prozent mehr Arbeit", wird die Finanzministerin zu den derzeit laufenden Verhandlungen über das neue Dienst- und Besoldungsrecht der Lehrer zitiert. Unterrichtsministerin Claudia Schmied hat sich bei den Verhandlungen, die bis Sommer 2012 abgeschlossen sein sollen, noch nicht bezüglich höherer Lehrverpflichtung festgelegt. Für sie ist eine Erhöhung zumindest "nicht tabu". 2009 war sie mit dem Vorschlag von zwei zusätzlichen Unterrichtsstunden nicht nur bei Lehrervertretern, sondern auch beim damaligen Finanzminister Josef Pröll abgeblitzt. Fekter spricht sich in der "Presse" weiter für höhere Einstiegsgehälter für Lehrer aus, will aber generell "weg von den exorbitanten Lehrergehältern".

Daher sehe sie nicht ein, dass es höhere Einstiegsgehälter um jeden Preis und für gleich viele Wochenstunden wie bisher geben solle. Ein 28-Jähriger beispielsweise könne einige Stunden mehr unterrichten. Die Lehrervertreter erteilen dem Ruf nach einer Anhebung der Arbeitszeit erneut eine Absage. Pflichtschullehrer-Gewerkschafter Paul Kimberger hielt den Vorstoß Fekters "selbst in Krisenzeiten für eine leichte Skurrilität" und verwies gegenüber der "Presse" darauf, dass sich Arbeitszeit nicht nur auf den Unterricht beschränke.

Auch AHS-Lehrergewerkschafter Eckehard Quin kann sich Mehrarbeit für Lehrer "nicht vorstellen". Aktuell gibt es zwei Arbeitszeitmodelle: Landeslehrer haben eine Normarbeitszeit von 1.776 Stunden pro Jahr, die auf verschiedene "Töpfe" (Unterricht, Vor- und Nachbereitung, sonstige Tätigkeiten) aufgeteilt ist. An den Volksschulen beträgt die Unterrichtszeit 22 Wochenstunden, an Hauptschulen 21. Bei Bundeslehrern (AHS, berufsbildende mittlere und höhere Schulen) liegt die Wochenarbeitszeit je nach Fach zwischen 18 und 22 Stunden. Dazu kommt die nicht in Stunden angegebene Vor- und Nachbereitung des Unterrichts.

Gewerkschaft gegen "unqualifizierte Attacken"
Einen "'Rettungsschirm' gegen unqualifizierte Attacken" haben die Lehrergewerkschaften am Donnerstag in einer Aussendung als Reaktion auf den Vorstoß von Finanzministerin Maria Fekter für teils unbezahlte Mehrarbeit von Junglehrern gefordert. "Bundeskanzler (Werner Faymann, Anm.) und Vizekanzler (Michael Spindelegger, Anm.) müssen dafür sorgen, dass Seriosität und Sachlichkeit in die Bildungsdebatte zurückkehren", betonte der Vorsitzende der ARGE-Lehrer und Spitzenverhandler bei der Reform des Dienst- und Besoldungsrechts, Walter Riegler, am Donnerstag in einer Aussendung aller Lehrer-Teilgewerkschaften.

Fekter habe sich mit der Schulrealität nicht auseinandergesetzt, für sie seien Pädagogen offenbar nur Buchungszeilen im Budget, so Paul Kimberger von der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft, die wie alle Teilgewerkschaften von der VP-nahen Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG) dominiert ist.

Kritik erntete Fekter auch für ihre Aussagen, wonach Lehrer äußerst gute Gehälter beziehen. "Einem Akademiker ausrichten zu lassen, dass er mit einem Anfangsbezug von etwas über 1.300 Euro exorbitant gut bezahlt ist, kann nur als Verhöhnung seiner Arbeitsleistung empfunden werden", sagte AHS-Gewerkschafter Eckehard Quin. Fekter habe offenbar noch nicht begriffen, dass Österreichs Schulsystem "auf Idealismus und Arbeitsleistung weit jenseits der 40-Stundenwoche basiert".

Jürgen Rainer, Gewerkschaftsvorsitzender für die berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS), sprach von einer "Entgleisung" der Finanzministerin, Albert Arzt (Berufsschullehrer) warnte, dass Fekter damit in Zeiten von Lehrermangel für die Rekrutierung von Junglehrern "kaum wieder gut zu machenden Schaden" angerichtet habe.