Erstellt am 08. Februar 2013, 10:51

Finanz gibt Steuertipps für Schmiergeld-Empfänger. Wer sich bestechen lässt, kann auf der Homepage des Finanzministeriums offiziell nachlesen, wie die Beute zu versteuern ist. Im "Steuerjahrbuch 2013" gibt das Ressort nämlich auch Tipps für den Umgang mit "Incentives oder Schmiergeldern".

Das Ministerium verteidigt die Vorgangsweise, verweist auf ein "berechtigtes Interesse des Staates" an den Einnahmen und auf einschlägige Anfragen an die Finanz.

Aufgefallen ist der Steuertipp für Schmiergeld-Empfänger der Wiener Gratiszeitung "heute". Tatsächlich findet sich im "Steuerbuch 2013" ein entsprechender Hinweis auf Seite 98: Demnach müssen korrupte Arbeitnehmer nicht nur das "Formular L 1" für die normale Arbeitnehmerveranlagung ("Lohnsteuerausgleich") ausfüllen, sondern zusätzlich das "Formular "L 1i".

Mit dem "Formular L 1i" müssen nämlich "Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit ohne Lohnsteuerabzug" deklariert werden. Und darunter fallen, wie es im Ratgeber des Finanzministeriums heißt, nicht nur beruflich gesammelte Bonusmeilen, die privat konsumiert werden, sondern auch "bestimmte Provisionen (z.B. Incentives oder Schmiergelder) von dritter Seite".

Tatsächlich sind Schmiergelder auch dann steuerpflichtig, wenn sie strafrechtlich verboten sein sollten. Wie der Steuerrechtler Werner Doralt auf Anfrage betonte, kann Schmiergeld-Empfängern daher zusätzlich zum regulären Strafverfahren auch noch ein Finanzstrafverfahren drohen, wenn sie die Einnahmen nicht versteuern. "Dass etwas verboten ist, heißt nicht, dass es nicht steuerpflichtig ist", betont Doralt.