Erstellt am 01. Januar 2014, 17:00

Fischer wirbt um Vertrauensvorschuss für Regierung. Bundespräsident Heinz Fischer hat in seiner Neujahrsansprache im ORF am 1. Jänner bei der Bevölkerung um einen Vertrauensvorschuss für die neue Bundesregierung geworben.

 "Ich weiß, dass es derzeit in den Medien und auch in der Bevölkerung ziemlich viel politisches Unbehagen gibt", sagte das Staatsoberhaupt. Er bitte aber darum, sich auch in der Politik um ein "ausgewogenes Urteil" zu bemühen. 

Das Unbehagen habe sich auch "auf den Prozess der Regierungsverhandlungen und auf das Ergebnis der Regierungsbildung erstreckt", bemerkte Fischer in seiner am Mittwochabend ausgestrahlten Rede. "Dennoch bin ich überzeugt, dass es fair und sinnvoll wäre, so ähnlich vorzugehen wie im Sport, wo einer österreichischen Nationalmannschaft am Beginn eines internationalen Turniers oder am Beginn einer neuen Saison ja auch ein Vertrauensvorschuss gegeben und ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt wird." Letzteres sei "etwas sehr wichtiges", sagte Fischer.

Gleichzeitig betonte er die Notwendigkeit und Berechtigung von Kritik: "Ich weiß natürlich, dass Kritik als Salz der Demokratie bezeichnet wird und dass es absolut notwendig ist, Kritik an Missständen, an zu wenig Schwung bei Reformen - z.B. in der Bildungspolitik - an zu viel Bürokratie oder an zu wenig sozialer Symmetrie in unserer Gesellschaft zu üben."

Auf der anderen Seite aber brauche es auch "Augenmaß" bei der Beurteilung von Stärken und Schwächen. Denn: "Zuviel Salz kann auch die besten Speisen verderben", so der Präsident. Auch warb Fischer für Vertrauen "in die vielfach bewiesene Leistungsfähigkeit unseres Landes und Zuversicht für die Zukunft". Fischer betonte, dass Österreich ein Land mit hoher Lebensqualität sei - dies könne "niemand bestreiten".

Auch bat der Bundespräsident darum, "Brillen" abzulegen - nämlich jene, "die unseren Blick trüben und verzerren" könnten. Fischer sprach von der "Vorurteilsbrille", der "Pessimismusbrille", der "Parteibrille" und der "Egoismusbrille". Und er bat darum, sich auch in der Politik um ein ausgewogenes Urteil zu bemühen: "Nennen wir das, was schlecht ist, beim Namen, aber auch das, was gut ist."

In seiner mittlerweile zehnten Neujahrsansprache erinnerte Fischer auch daran, dass sich im Jahr 2014 mehrere historische Ereignisse jähren - etwa der Beginn des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren, der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren oder der Fall des Eisernen Vorhanges vor 25 Jahren. All dieses Ereignisse würden "Gelegenheit geben, uns mit der Geschichte, und mit dem, was wir aus ihr lernen können, zu beschäftigen", so der Präsident, der den Bürgern für 2014 "alles erdenklich Gute" wünschte.