Erstellt am 20. April 2012, 15:43

Frauen-Bevorzugung bei Medizin-Test rechtswidrig. Weil Frauen beim EMS-Eignungstest für das Medizin-Studium in der Vergangenheit schlechter abgeschnitten haben als ihre männlichen Mitbewerber, sollen sie beim nächsten Durchgang an der Medizin-Uni Wien am 6. Juli bevorzugt werden.

Laut einem von der HochschülerInnenschaft (ÖH) der Med-Uni beauftragten Gutachten ist ein geplanter "Ausgleichsfaktor" jedoch rechtswidrig.

Hintergrund: Der Testwert, der über die Zulassung entscheidet, soll erstmals nach Geschlechtern getrennt ausgewertet und die Ergebnisse der Frauen um einen "Ausgleichsfaktor" erhöht werden. Diese Art der Auswertung könnte zur Folge haben, dass eine Frau etwas schlechter abschneidet, aber dank des Faktors gleich gut wie ein besserer Mann gereiht wird. An der Medizin-Uni Wien waren zuletzt 56 Prozent der Bewerber Frauen; unter den Zugelassenen waren sie jedoch nur noch zu 43 Prozent vertreten.

Der beauftragte Jurist Joseph Marko von der Universität Graz sieht in der genderspezifischen Auswertung "zwar das verfassungs- wie europarechtlich legitime Ziel des Ausgleichs einer objektiven Benachteiligung verfolgt", jedoch im Sinne des Prüfungsmaßstabes der Bundesverfassung sowie der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) eine "umgekehrte und indirekte Diskriminierung", wie es in dem der APA vorliegenden Gutachten wörtlich heißt. Die Maßnahme sei daher "nicht als 'angemessen' zu beurteilen" und in weiterer Folge "rechtswidrig".

Die ÖH Med-Uni Wien fordert infolgedessen in einer Stellungnahme "mit Nachdruck" die Rückkehr zur ursprünglichen Auswertung und eine Einbindung der Studentenvertreter in die weitere Neugestaltung des EMS-Tests. Frauenförderung gehöre zwar "weiter forciert, muss sich jedoch in rechtlich abgesichertem Rahmen bewegen und keine Diskriminierung von Männern darstellen", so Philipp Wimmer von der ÖH Med-Uni Wien.