Erstellt am 23. Juli 2013, 13:13

Frauen studieren anders als Männer. Studentinnen wenden mehr Zeit für ihr Studium auf, studieren schneller, absolvieren häufiger einen Auslandsaufenthalt und erreichen öfter einen Abschluss als ihre männlichen Kommilitonen. Sie wählen aber auch häufiger Massenfächer, wechseln nach dem Erstabschluss seltener in weiterführende Studien und verdienen im Beruf weniger. Das zeigt eine Erhebung zur "Situation von Studentinnen".

Für die im Auftrag des Wissenschaftsministeriums vom Institut für Höhere Studien (IHS) durchgeführte Sozialerhebung wurde im Sommersemester 2011 eine Online-Umfrage an allen öffentlichen Unis, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen durchgeführt. 44.000 Fragebögen wurden dabei verwertet. Insgesamt sind 54 Prozent der Studierenden an den Hochschulen Frauen. "Das ist übrigens eines der ausgewogensten Verhältnisse in Europa", so Studienautor Martin Unger.

Auffällig ist die unterschiedliche Fächerwahl der Geschlechter: In Pädagogik- bzw. Lehramtsstudien liegt der Frauenanteil bei 74 Prozent, in den Geisteswissenschaften bzw. der Kunst sind es 67, in den Agrar- bzw. Veterinärwissenschaften 65 Prozent und in der Gesundheit bzw. sozialen Diensten 63 Prozent. Umgekehrt sind nur 27 Prozent der Studenten in der Fächergruppe Ingenieurswesen/Herstellung/Baugewerbe Frauen, in den Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik sind es 35 Prozent.

Generell wählen Frauen häufiger überfüllte Fächer. "Daraus ergeben sich Probleme, die Männer und Frauen zwar gleich stark betreffen, aber da Frauen diese Fächer häufiger studieren, sind sie häufiger betroffen", so Unger. Frauen weisen deshalb eine geringere Studienzufriedenheit auf, klagen häufiger über Stress und psychische Probleme sowie Zeitverlust im Studium. Trotzdem studieren Frauen etwas schneller und erreichen häufiger einen Abschluss als Männer. Allerdings wechseln Frauen nach dem Erstabschluss seltener in ein weiterführendes Studium als Männer.

Unmittelbare Konsequenzen aus dem Bericht will Wissenschaftsminister Töchterle nicht ziehen. Viele Ursachen der Geschlechterunterschiede würden zudem nicht in den Hochschulen selber liegen. Daneben gebe es bereits Maßnahmen wie diverse Förderprogramme und die 40-prozentige Frauenquote in den Uni-Gremien.