Erstellt am 07. März 2014, 13:21

Frauentag - Faymann: Noch viel zu tun für Gleichstellung. Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) hat anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März erklärt, dieser habe auch mehr als 100 Jahre nach seiner Gründung nichts von seiner Bedeutung verloren.

Auf dem Weg zur Gleichstellung habe Österreich und Europa noch viel zu tun, so der Kanzler in einer Aussendung. WK und IV wehrten sich in Aussendungen gegen fixe Quoten.

Faymann ortet Handlungsbedarf etwa bei der Einkommensschere oder der Kinderbetreuung. Der SPÖ-Vorsitzende betonte auch die Relevanz der anstehenden EU-Wahlen: "Es geht darum, die Rechte der Frauen in Österreich und Europa weiter zu stärken. Das geht am besten mit einer starken europäischen Sozialdemokratie."

Hochhauser: Zwangsmaßnahmen "gehen völlig ins Leere"

Die Wirtschaftskammer wehrte sich in einer Aussendung gegen Quoten. "Wenn der Frauentag schon traditionell zum Anlass genommen wird, um Zwangsmaßnahmen für die Wirtschaft zu fordern, so geht das völlig am Ziel vorbei", betont Generalsekretärin Anna Maria Hochhauser zur wiederholten Forderungen nach einer fixen Frauenquote.

Zwangsmaßnahmen wie Quoten bei der Besetzung der Führungsgremien privater Unternehmen seien nicht nur ungerechtfertigte Eingriffe, sondern "gehen auch völlig ins Leere", solange den Frauen nicht alle Chancen und Wahlfreiheiten für ihre Karriere- und Lebensplanung geboten werden, meinte Hochhauser. Sie bekräftigte daher die Forderung nach besseren Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit.

Auch die Industriellenvereinigung hält Quoten für den "falschen Weg". Österreichische Unternehmen seien es gewohnt, sich selbst Ziele zu setzen. "Da brauche es nicht immer Verordnungen der Regierung, egal ob sie 'Pflichtquote' oder 'Flexi-Quote' heißen", so Generalsekretär Christoph Neumayer. Er spricht sich hingegen dafür aus, junge Frauen zu ermutigen, technik- bzw. naturwissenschaftlich orientierte Ausbildungswege zu wählen.

AK: "Flexi-Quote" nicht das richtige Mittel

Die Arbeiterkammer pochte darauf, dass Teilzeitkräften der Mehrarbeitszuschlag ab der ersten Stunde ausbezahlt wird und die Durchrechnung wegfällt. Außerdem sollen jene, die von Teilzeit in Vollzeit wechseln die Chance dazu bekommen, forderte AK-Präsident Rudolf Kaske. Die von Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) angedachte "Flexi-Quote" ist für die AK "nicht das richtige Mittel". Nur fixe Quoten würden zu einer Verbesserung führen, dies zeige sich in Skandinavien.

Der Gemeindebund ortet angesichts der geringen Anzahl von Bürgermeisterinnen Handlungsbedarf bei den Rahmenbedingungen. "Kommunalpolitische Arbeit findet vielfach noch in langen Sitzungen in den Abendstunden statt, auch Wochenendtermine schlagen sich nicht gerade positiv auf die Lebensqualität nieder", so Präsident Helmut Mödlhammer. Auch die Art, wie man in der Politik miteinander umgeht, schrecke viele Frauen ab, stellte er fest.

ÖVP-Frauen für stärkere Einbindung der Gendermedizin

Die ÖVP-Frauen appellieren an alle Frauen, medizinische Vorsorgemöglichkeiten in Anspruch zu nehmen, da ihr Schwerpunktthema 2014 die Gesundheit ist. Sie fordern eine stärkere Einbindung der Gendermedizin in der Krankenversorgung, der Forschung und der Rehabilitation. Die ÖVP-Frauen veranstalten am Freitagabend außerdem ein Symposium zu Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner.

Die Freiheitliche Frauensprecherin Carmen Gartelgruber erklärte, die Hauptarbeit in Haushalt und Familie liege noch immer bei den Frauen: "Solange sich das nicht ändert, brauchen wir keine Frauenministerin, die nur Quoten für Aufsichtsräte fordert und sich über Genderbudgeting, sowie Binnen-I freut."

AUGE/UG hat genug von "deprimierenden Zahlen"

Die AUGE/UG - Alternative und Grüne GewerkschafterInnen/Unabhängige GewerkschafterInnen haben genug von den "deprimierenden Zahlen" und wiesen darauf hin, dass Einkommensunterschiede auch zwischen männer- und frauendominierten Branchen bestehen. Sie fordern daher eine deutliche finanzielle Aufwertung von Sozial-, Gesundheits- und Bildungsberufen.

Für die NEOS ist der Frauentag Anlass, um auf die Ungleichbehandlung von Frauen in der Gesellschaft hinzuweisen. Hierfür reiche aber nicht dieser eine Tag. Frauensprecherin Angelika Mlinar erklärte, die Partei mache sich 365 Tage im Jahr dafür stark.

Das Team Stronach wies darauf hin, dass Frauen bis zu drei Mal mehr Psychopharmaka verschrieben bekommen als Männer. Dem Erwartungsdruck des täglichen Lebens dürfe man aber "nicht leichtfertig" mit Tablettenkonsum begegnen, warnte Frauensprecherin Martina Schenk.

ÖH fordert mehr Frauen in höheren Ebenen

Die Österreichische Hochschüler_innenschaft (ÖH) machte mit einer Medienaktion vor der Universität Wien auf die Ungleichbehandlung von Frauen aufmerksam. Die ÖH forderte mehr Frauen in höheren Ebenen, mehr Professorinnen und transparente, quotierte Einstellungskriterien für wissenschaftliches Personal.

Die SJ will traditionelle Rollenbilder aufbrechen und überrollte daher ebenfalls bei einer Aktion mit einer 2,5 Tonnen Walze vor dem Parlament stereotypes Spielzeug. Die Bundesjugendvertretung drängt auf Voraussetzungen für mehr Teilhabe junger Frauen an der Politik und forderte politische Bildung "so früh wie möglich". Beteiligung von Frauen funktioniere aber erst, wenn Frauen nicht mehr den Großteil der unbezahlten Arbeit übernehmen müssen, hieß es.

Kirchenleitung aufgefordert, Frauen in der Kirche gleichzustellen

Der Katholische Familienverband forderte angesichts von Kindern, die mit Gewalt in der Familie aufwachsen müssen den flächendeckenden Ausbau der frühen Hilfe. Dies würde einen wichtigen Beitrag zur Gewaltprävention darstellen, zeigte sich Vizepräsidentin Irene Kernthaler-Moser überzeugt.

Die Plattform "Wir sind Kirche" forderte einmal mehr die Kirchenleitung auf, Frauen in der Kirche "endlich" die selben Rechte und Pflichten wie klerikalen Männern zu übertragen. Derzeit diskriminiere die Kirchenleitung Frauen "und nützt sie aus", hieß es in einer Aussendung.