Erstellt am 15. April 2011, 17:47

Ganztagsangebote an Schulen werden ausgebaut. Mit 55.000 zusätzlichen Betreuungsplätzen will Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) die Ganztagsangebote an Schulen ausbauen. Das dazu zur Begutachtung ausgesendete Gesetzespaket beinhaltet auch die Schaffung einer neuen Ausbildung für Freizeitpädagogen, die ausschließlich für die Freizeitgestaltung der Kinder verantwortlich sein sollen.

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Schmieds VP-Verhandlungspartner Werner Amon stellte sich in einer Aussendung "voll hinter" den Plan, der ab dem Schuljahr 2011/12 umgesetzt werden soll. Bisher bestehen laut Angaben des Unterrichtsministeriums 105.000 Betreuungsplätze für Nachmittagsangebote bis 16 Uhr, die bis 2015 auf 160.000 erhöht werden sollen. "Es sollten inklusive der Hortplätze rund 210.000 ganztägige Plätze angeboten werden", so Schmied in einer Aussendung. Damit solle jedes Kind, das einen Tagesbetreuungsplatz benötigt, "ein hochwertiges Angebot an einer öffentlichen Schule bekommen".

Um der Nachfrage an Betreuungsplätzen an allgemein bildenden Pflichtschulen (Volks- und Hauptschulen) gerecht zu werden, soll laut dem Gesetzesentwurf die Eröffnung einer Betreuungsgruppe künftig bereits ab zwölf angemeldeten Schülern möglich werden, bisher waren 15 notwendig. An AHS-Unterstufen bleibt die Mindestanmeldezahl von zehn Schülern unverändert, allerdings soll das Angebot flexibler werden: Künftig zählen auch Schüler, die nur für zwei Tage (bisher drei Tage) gemeldet sind.

Weiters sollen schulartenübergreifende Gruppenbildungen möglich sein. Damit werden auch jene Schulen miteingebunden, die derzeit aufgrund zu geringer Schüleranzahl keine schulische Tagesbetreuung anbieten. Die Zusammenlegung ist nur bei einheitlichem Schulerhalter, also zwischen Volks- und Hauptschulen (Land) oder AHS-Unterstufen (Bund) möglich. "Eine dritte oder vierte Klasse Volksschule könnte dann gemeinsam mit einer ersten oder zweiten Klasse Hauptschule betreut werden", heißt es auf Anfrage aus dem Büro Schmieds.

Laut Schätzungen des Unterrichtsministeriums entstehen im ersten Schuljahr 2011/12 zusätzliche 502 Gruppen. Laut Budgetvereinbarung aus dem Vorjahr stellt der Bund bis 2014 jährlich 80 Mio. Euro für den Ausbau der Ganztagsangebote zur Verfügung, um 2015 das Ziel von 160.000 Plätzen zu erreichen. Ein Großteil daraus soll in Personalkosten fließen. Wie das mit den Ländern vereinbart wird, ist laut Angaben aus Schmieds Büro noch "Verhandlungsfrage" und soll bis zum Sommer geklärt werden. Melden sich mindestens zwölf Schüler an einer Schule, ist das Land verpflichtet, eine Nachmittagsbetreuung einzurichten, für die es um Unterstützung ansuchen kann. Wenn die Kriterien erfüllt werden, werden Mittel aus diesem 80-Mio.-Topf freigegeben.

Die Freizeitgestaltung im Rahmen der Ganztagsbetreuung soll von akademischen Freizeitpädagogen übernommen werden, für die an Pädagogischen Hochschulen ein zweisemestriger, berufsbegleitender Lehrgang vorgesehen ist. Die neu ausgebildeten Pädagogen sollen dezidiert in der Freizeit, "nicht aber in der individuellen Lernzeit (Erledigung von Hausaufgaben unter fachlicher Hilfestellung) eingesetzt werden", heißt es im Gesetzesentwurf. Damit wolle man sich speziell an Mitarbeiter Sport-, Musik- oder Kulturvereine richten, die mit Schulen bei der Freizeitbetreuung kooperieren. Ein Leichtathlet könne beispielsweise als Halbtagsjob die Betreuung von Schülern am Nachmittag übernehmen. Die Schulen haben dabei die Möglichkeit, selbst einen sportlichen, musikalischen, künstlerischen oder anderen Schwerpunkt zu setzen.

Amon bezeichnete das Gesetzespaket als "guten Beginn, damit ein flächendeckendes" Betreuungsangebot an Schulen entsteht. Nun müsse der Entwurf von "Schulerhaltern, Schulpartnern und vor allem den Ländern und Gemeinden weiterentwickelt werden". "Vor allem brauchen wir entsprechende Anstellungs-, Entlohnungs- und Personalmodelle, die nur gemeinsam mit Schulerhaltern und der Personalvertretung erarbeitet werden können", so Amon.