Erstellt am 14. November 2012, 14:32

Ganztagsschule - Spindelegger: Entscheidung vor Ort treffen. Vizekanzler Michael Spindelegger (V) will die Schulpartner vor Ort über die Frage eines ganztägigen Unterrichts entscheiden lassen.

 |  NOEN
Auch verschränkter Unterricht (mehrmaliger Wechsel von Unterricht und Freizeit am Tag, Anm.) sei möglich, "aber nur dort, wo das gewünscht wird", so Spindelegger bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. "Dass die Löwelstraße (Sitz der SPÖ-Zentrale, Anm.) oder das Ministerium verordnen, dass Kinder den ganzen Tag in der Schule sind, geht nicht."

"Wir wollen mehr Nachmittagsbetreuung", betonte der Vizekanzler. Zuerst müsse dafür aber der Bedarf da sein - dann werde man auch eine Finanzierung auf die Beine stellen. Das derzeitige Ausbauprogramm könne dabei durchaus noch verstärkt werden.

Lehrer müssten nach Ansicht Spindeleggers auch künftig in die Entscheidung eingebunden sein, ob eine Klasse oder Schule Ganztagsunterricht in der verschränkten Form mit Phasen aus Unterricht, Lern- und Freizeit einführt. Aus seiner Sicht soll künftig der Schulgemeinschaftsausschuss (SGA) - bestehend aus Schülern, Eltern und Lehrern - vor Ort entscheiden, ob es dieses Angebot geben soll, so der Vizekanzler im Ö1-"Mittagsjournal". Derzeit trifft nicht der SGA die Entscheidung, sondern alle betroffenen Eltern und Lehrer einer Klasse bzw. Schule. Vetodrohungen der Lehrer an einer Schule, wo Eltern und Schüler für Unterricht am Nachmittag sind, hält Spindelegger allerdings ohnehin nur für "theoretische Fragen, die sich in der Praxis gar nicht stellen".

Die Elternvertreter unterstützen den geplanten Ausbau ganztägiger Schulformen. Eine reine Nachmittagsbetreuung sei nicht sinnvoll, stattdessen solle die ganztägige Schule zur Vertiefung des Gelernten genutzt werden können, so Christian Morawek, Sprecher der Elternvereine an den Pflichtschulen. Und auch der Vertreter der Elternvereine höherer Schulen, Theodor Saverschel, plädiert für einen Ausbau der verschränkten Form, wo Kinder Hausübung und Vertiefung des Lernstoffs schon in der Schule erledigen sollen.

Die Entscheidung für eine Umstellung auf verschränkten Ganztagsunterricht soll aus Sicht der Elternvertreter künftig nicht mehr durch Lehrer blockiert werden können. "Ich finde die Situation an den AHS nicht gut, weil man klarerweise den Weg des geringeren Aufwandes geht", so Morawek. Saverschel will, dass die Lehrer den Wünschen der Schüler und Eltern nachkommen.