Erstellt am 25. April 2014, 15:44

Gesunde und stressfreie Arbeitsplätze. Pünktlich zum Tag der Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz am 28. April zog Sozialminister Rudolf Hundstorfer Resümee über ein Jahr Novelle des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes.

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Nun soll ein Maßnahmenbündel, bestehend aus „mehr Aktionen, mehr Kontrolle, mehr Information, mehr Motivation“, sowie eine großangelegte EU-Kampagne für weniger Stress und mehr gesunde Psyche an österreichischen Arbeitsplätzen sorgen.

Novelle AschG 2013: Österreich ist Pionier innerhalb der EU

„Die Botschaft ist in den Betrieben angekommen“ resümiert Sozialminister Rudolf Hundstorfer, „mittlerweile wissen Arbeitgeber/innen, dass sie – wie mit der Novelle des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes 2013 klargestellt - nicht nur die körperliche, sondern auch psychische Gesundheit von Arbeitnehmer/innen zu schützen haben. So sehr ich begrüße, dass das neue ArbeitnehmerInnenschutzgesetz erste, vielversprechende Früchte trägt, werde ich mich erst zufrieden geben, wenn alle Betriebe – vor allem auch die mittleren und kleinen – mitziehen und ihre Hausaufgaben im Bereich des Arbeitnehmer/innenschutzes erledigt haben. Die Umsetzung erfolgt im Interesse aller – denn psychisch belastete Mitarbeiter/innen sind nicht nur einem hohen Leidensdruck ausgesetzt, sie verursachen auch hohe Kosten für Betriebe und Staat.“

„Stress macht krank!“

Anhaltender Stress am Arbeitsplatz ist ein besonders häufiger Grund für lange Krankenstände, die mit durchschnittlich 31,9 Tagen rund dreimal so lange dauern wie Krankenstände, die durch körperliche Beschwerden verursacht werden. Obwohl Krankenstände insgesamt weniger werden, nehmen Krankenstände auf Grund typischer psychischer Belastungen drastisch zu. Echte Krankmacher sind beispielsweise Zeitdruck, Lärm, Multitasking, mangelnde Arbeitsorganisation bzw. schlechtes Arbeitsklima. Die Folgen reichen von Depressionen und Schlafstörungen über Burnout und Magen-Darm-Störungen bis hin zu gefährlichen körperlichen Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf- und Muskel-Skelett-Erkrankungen.

Stress-Prävention rechnet sich

„Stress und psychische Belastungen am Arbeitsplatz als ‚nicht wichtig‘ abzutun kann teuer kommen“, rechnet Dr. Anna Ritzberger-Moser,Leitung Arbeitsinspektion, vor. „Die Verringerung der Produktivität, die Erhöhung der Personalfluktuation, vermehrte Fehlzeiten und erhöhte Unfallgefahr führen auch zu massiven finanziellen Einbußen.“

Ein zeitgemäßes, zugleich kostengünstiges Instrument, um gegen dieses “kostenverschlingende Monster“ anzukämpfen, ist die Prävention. So zeigt eine aktuelle Studie der Deutschen gesetzlichen Unfallversicherung, an der sich Unternehmen aus 19 Ländern, darunter auch Österreich, beteiligten, dass jeder Euro der für Prävention ausgegeben wird, mehr als das Doppelte an Einsparungen mit sich bringt.

Tabuthema „Psyche“

Psychische Belastungen am Arbeitsplatz zu thematisieren, bleibt nach wie vor heikel, 40% der Arbeitgeber/innen erachten das Management von psychosozialen Risiken als schwierig, und vier von zehn Arbeitnehmer/innen sind der Ansicht, dass Stress an ihrem Arbeitsplatz nicht gut gehandhabt wird, so eine Studie der EU.

„Vielerorts wird Stress am Arbeitsplatz mit persönlichem Versagen gleichgesetzt, dabei ist der Kern im Unternehmen selbst zu suchen“, ist Ritzberger-Moser überzeugt. Um Stress im Unternehmen nachhaltig, strukturiert und handhabbar zu bewältigen, empfiehlt das Arbeitsinspektorat eine „Arbeitsplatzevaluierung psychischer Belastungen“, wobei konkret die Bereiche „Gestaltung der Aufgabenanforderungen und Tätigkeiten, Sozial- und Organisationsklima, Arbeitsumgebung sowie Arbeitsabläufe und Arbeitsorganisation“ unter die Lupe genommen werden.

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Überschaubarer Zeitaufwand

Die Xylem Austria GmbH, ein auf Pumpen und Fördersysteme im Bereich Wassertechnologie spezialisiertes Unternehmen mit Sitz in Stockerau, beschäftigt 270 Mitarbeiter/innen und hat sich Ende 2013 einer Evaluierung unterzogen. Diese dauerte rund vier Monate, insgesamt wurden 115 Stunden, also ungefähr 14 Arbeitstage, verbraucht, wobei die Kosten bei rund 12.500 Euro lagen, was rund 46 Euro pro Mitarbeiter/in entspricht.

Im Rahmen der Evaluierung wurden typische Mängel, wie eine mangelhafte Telefonanlage, zu viel Lärm im Großraumbüro, unzureichende Kommunikation in und zwischen Abteilungen, mangelhafte Schulungsmöglichkeiten und fehlende Produktschulungen erkannt und dementsprechende Maßnahmen gesetzt. Xylem Austria Geschäftsführer Ing. Peter Steinbach: „Auch wenn valide Ergebnisse erst in einem Jahr zu erwarten sind, lässt sich bereits jetzt eine deutlich verbesserte Arbeitsorganisation, eine Verbesserung des Betriebsklimas sowie eine erhöhte Motivation der Mitarbeiter feststellen“.

Unterstützen, kontrollieren, motivieren, beraten.

Bei den Kontrollen des Arbeitsinspektorates wurde bereits viel erreicht. Wurden im Jahr 2012 insgesamt 3040 Betriebe geprüft, waren es 2013 bereits 5.600, was einer Steigerung von 54 Prozent entspricht. „Das Arbeitsinspektorat wird diese Kontrollen unvermindert fortsetzen, aber nicht mit erhobenen Zeigefinger, sondern vielmehr als Partner, der kompetente Beratung anbietet. Insgesamt stehen österreichweit 320 Mitarbeiter/innen als Ansprechpartner zur Verfügung, die unterstützen und die Evaluierung begleiten“, resümiert Ritzberger-Moser.

Aufschluss bietet auch die Website der Arbeitsinspektion www.arbeitsinspektion.gv.at , wo unter anderem ein „Leitfaden zur Bewertung der Arbeitsplatzevaluierung psychischer Belastungen“ sowie ein Überblick über standardisierte, kostenfrei erhältliche Messverfahren heruntergeladen werden können. Betriebe unter 50 Arbeitnehmer/innen werden darüber hinaus kostenfrei von der AUVAsicher zur Umsetzung einer Arbeitsplatzevaluierung beraten.

Start EU-Kampagne (Tag des Arbeitsschutzes: 28. April)

Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz mit Sitz in Bilbao, die von der Österreicherin Dr. Christa Sedlatschek geleitet wird, rückt das Thema aufgrund seiner Dringlichkeit ebenfalls in den Fokus. Die aktuelle und bislang weltweit größten Kampagne zum Thema Arbeitsschutz „Gesunde Arbeitsplätze – den Stress managen“, wurde Anfang April in Brüssel vorgestellt. Wichtiger Bestandteil der Kampagne ist ein Wettbewerb, bei dem Unternehmer ihre besten Lösungsvorschläge zum Thema Stressmanagement einreichen können und damit die Chance haben, als Top-Arbeitgeber Europas ausgezeichnet zu werden. Die österreichische Auftaktveranstaltung findet am 5. Juni 2014 im Haus der Musik in Wien statt. Mehr Informationen zur Kampagne unter www.healthy-workplaces.eu

Stress am Arbeitsplatz managen ist bewerkstelligbar!

„Menschengerechte Arbeitsbedingungen sind kein Luxus, den wir uns nur leisten wollen, wenn es unserer Wirtschaft gut geht. Arbeitnehmer/innenschutz ist ein wesentliches und unverzichtbares Thema jeder sozialen Gesellschaft und jeder erfolgreichen Volkswirtschaft. Um Arbeitsplätze stressfrei zu gestalten, genügen oft schon kleine organisatorische Maßnahmen. „Stress am Arbeitsplatz zu managen, ist bewerkstelligbar“, appelliert Sozialminister Hundstorfer an die Unternehmer/innen, „Sie müssen nur beginnen!“