Erstellt am 22. Februar 2012, 13:37

Gewalt an Kindern - Mikl-Leitner für Opferschutzregister. Mit einem eigenen Opferschutzregister will Innenministerin Johanna Mikl-Leitner die Situation für Kinder, die unter Gewalt in ihrer Familie leiden, verbessern.

Mit diesem Register will die Ressortchefin den "Spitalstourismus" von Eltern schwieriger machen, wie sie am Mittwoch bei einer Pressekonferenz zum Tag der Kriminalitätsopfer in Wien sagte. Eltern würden mit ihren Kindern, die sie familiärer Gewalt aussetzen, immer wieder in andere Krankenhäuser fahren, um so die fortgesetzten Übergriffe zu verschleiern.
 
Mit dem Register solle nun erkannt werden, wenn ein Kind immer wieder Opfer familiärer Gewalt ist. Voraussetzung dafür sei aber, "das Ärztegesetz hinsichtlich der Verschwiegenheitspflicht zu ändern", so Mikl-Leitner. Darüber wird derzeit verhandelt. Die Innenministerin sprach in diesem Zusammenhang auch die Wichtigkeit der Aus- und Weiterbildung des medizinischen Personals an, um Fälle von Gewalt an Kindern besser erkennen zu können.
Die Zahlen zeigen, dass Gewalt in der Familie ein steigendes Problem sind. 2010 wurden nach Angaben des Innenministeriums um 4,2 Prozent mehr Wegweisungen und Betretungsverbote ausgesprochen als 2009. In absoluten Zahlen waren es 6.759 derartige Maßnahmen. Rosa Logar, Leiterin der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie, zufolge waren es 2011 schon mehr als 7.700 Wegweisungen.
 
Allerdings, und das ist die gute Nachricht, wird die Dunkelziffer kleiner. Logar wünschte sich, dass der Präventivgedanke in diesem Bereich gestärkt werde, nicht zuletzt, weil das auch wirtschaftlich sinnvoll wäre. "Gewalt kostet eine Menge Geld", sagte sie und sprach unter anderem über die Kosten für die Gefängnisaufenthalte der Täter und die adäquate Betreuung der Opfer.
 
Udo Jesionek, Präsident der Opferschutzeinrichtung Weißer Ring, machte unter anderem darauf aufmerksam, dass Missbrauchsopfer in Österreich derzeit unterschiedlich behandelt werden. Für Opfer in Landes- und kirchlichen Heimen gibt es entsprechende Einrichtungen, für jene, die in Bundesheimen missbraucht wurden, nicht. "Das Ziel ist es, dass jedes Missbrauchsopfer einigermaßen gleich behandelt wird", erklärte Jesionek.
 
Der Präsident des Weißen Ringes wies auch auf die Notwendigkeit der psychologischen Betreuung für Opfer von Eigentumsdelikten hin. Jesionek zufolge sind ziemlich viele Menschen, die Opfer von Einbrechern oder Taschendieben geworden sind, traumatisiert und benötigen professionellen Beistand. Doch die Schwellenangst sei relativ hoch: "I bin ja net deppert", sei eine typische Reaktion auf das Angebot für psychologische Hilfe, schilderte der frühere Richter.
 
Selbstkritisch zeigte sich Christian Pilnacek, Leiter der Strafrechtssektion im Justizministerium. Es bewähre sich, dass die Polizei beim Opferschutz im positiven Sinne durch entsprechende Projekte eine Menschenrechtsorganisation sei. "Sie soll auch für die Justiz hier ein Vorbild sein", sagte Pilnacek. Es sei "unser allgemeines Problem, dass die Justiz vermitteln muss, warum sie etwas tut oder nicht tut". Mikl-Leitner kündigte an, dass Opferschutzprogramme der Polizei, die bisher in der Stadt Salzburg, im Bezirk Gmunden, sowie in Teilen Wiens als Pilotprojekte gelaufen sind, auf ganz Österreich ausgedehnt werden sollen.