Erstellt am 25. September 2012, 10:19

Gewerkschaft gegen Kurzlehre für Maturanten. Die Idee des Wirtschaftskammerpräsidenten Leitl, den Lehrabschluss in einem einjährigen Schnellsiedekurs nach der Matura nachholen zu können, stößt bei der Gewerkschaft auf wenig Gegenliebe.

In einem Jahr lasse sich auch von einem Maturanten nicht lernen, was ein Lehrling in drei Jahren lernt. Zu klären sei auch, ob dann ein AHS-Absolvent als Nicht-Maturant bezahlt werde oder ob die ausbildenden Betriebe etwas drauflegten. "Da wünschen wir uns sicher nicht, dass ein Maturant mit einer geringen Lehrlingsentschädigung ins Berufsleben einsteigt", sagte der Arbeitsmarktsprecher des ÖGB und designierte Arbeiterkammer-Chef, Rudolf Kaske, am Dienstag im Ö1-"Morgenjournal".

Leitls Vorschlag sei "allenfalls die zweit- oder drittbeste Lösung für das Fachkräftemangelproblem". Die beste Variante sei es, die Jugendlichen in einer dualen Lehrausbildung in den Betrieben auszubilden. Ein Lehrjahr nach der Matura sei "möglicherweise aus meiner Sicht in ganz wenigen Lehrberufen eine Ergänzung", so Kaske. Gewisse praktische Fertigkeiten werde man aber ganz sicher nicht in einem Jahr lernen können.

Die Gewerkschaftsjugend erteilte dem Vorstoß Leitls in einer Presseaussendung eine klare Absage. Der Wirtschaft gehe es dabei nicht um eine sinnvolle Reform der Lehrausbildung, sondern um die Verfügbarkeit von billigen, gut ausgebildeten jungen Menschen für die Wirtschaft, so der Bundesjugendsekretär der GPA-djp, Helmut Gotthartsleitner.