Erstellt am 26. Januar 2011, 17:45

Gezänk über Pensionsantrittsalter geht weiter. Der Streit zwischen ÖBB und Finanzstaatssekretär Reinhold Lopatka (V) über das Pensionsantrittsalter der Eisenbahner geht in die nächste Runde.

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Nachdem ÖBB-Boss Christian Kern am Wochenende wissen ließ, dass das durchschnittliche Antrittsalter exklusive krankheitsbedingte Pensionierungen im Jahr 2010 um ein Jahr auf 54,8 Jahre gestiegen sei, kam am Mittwoch die Replik von Bahnkritiker Lopatka. Kern verwende geschönte Zahlen, 2010 sei das Pensionsantrittsalter genauso wie 2009 bei 52 Jahren gelegen. Stimmt nicht, konterte wiederum die Bahn.

Da Kern bei seinen Angaben jene Mitarbeiter, die aus Krankheitsgründen in Pension gehen, nicht mitgerechnet habe, seien die Zahlen mit den Vorjahren nicht vergleichbar, sagte Lopatka im "Ö1-Morgenjournal" des ORF-Radio. In den vergangenen Jahren sei das durchschnittliche Pensionsantrittsalter sogar noch weiter gesunken - "2008 lag es bei 52,6 und 2007 bei 53 Jahren", rechnete er der APA vor. "Die Vergleichszahlen sind selbstverständlich inklusive der krankheitsbedingten Pensionierungen, denn nur bei den ÖBB können Mitarbeiter nach einem Jahr Krankenstand automatisch in den Dauerruhestand treten", mokierte sich der VP-Mann. Und nur die Bahn könne bei Bedarfsmangel Mitarbeiter pensionieren und gleichzeitig neues Personal einstellen.

Der Konter der ÖBB ließ nicht lange auf sich warten: Die Aussagen Lopatkas seien "mehrfach unrichtig", sagte ein Bahnsprecher zur APA. Ohne krankheitsbedingte Pensionierungen sei das Pensionsantrittsalter der Eisenbahner 2010 bei 53,5 Jahren gelegen. Es stimme daher nicht, dass das Pensionsantrittsalter von 2009 auf 2010 gleichgeblieben sei. Wenngleich dem ÖBB-Management bewusst sei, "dass auch das verbesserte und spürbar angehobene durchschnittliche Pensionsantrittsalter noch nicht das ist, wo wir hinwollen." SP-Verkehrsministerin Doris Bures hatte von der Bahn gefordert, das Pensionsantrittsalter jährlich um ein Jahr anzuheben.

Es sei "bedauerlich, dass ein Eigentümervertreter so vorgeht", so die ÖBB in Richtung Lopatka. Den Vorwurf, Äpfel mit Birnen zu gleichen, will die Bahn nicht auf sich sitzen lassen: Lopatka betreibe eine "bewusste Missinterpretation. Das ist, wie wenn man bewusst EGT und EBIT verwechselt."

Lopatka hingegen konstatierte: "Die ÖBB sind und bleiben ein Frühpensionistenparadies auf Kosten der Steuerzahler." Für die 72.000 ÖBB-Pensionisten habe der Steuerzahler 2010 mehr als 2,2 Mrd. Euro zuschießen müssen, für die 1,8 Mio. ASVG-Pensionisten habe der Zuschuss 4,6 Mrd. Euro betragen. Somit betrügen die Pro-Kopf-Ausgaben für ASVG-Pensionisten 2.535 Euro, für ÖBB-Pensionisten 27.763 Euro.

Erneut sprach sich Lopatka im "Morgenjournal" für Änderungen im Dienst- und Pensionsrecht aus. Bei einem ÖBB-Sonderrecht hat seine Dauerkritik übrigens gefruchtet: Der Sachwert der Beinahe-Gratis-Fahrkarten für ÖBB-Mitarbeiter, Pensionisten und deren Angehörige muss seit Jahresbeginn versteuert werden.