Erstellt am 16. Januar 2012, 19:01

Griechenland steht vor Staatspleite. Was noch vor ein paar Monaten undenkbar war, wird nun immer lauter diskutiert: ein Staatsbankrott des Euro-Landes Griechenland.

Die Gespräche über die Gläubiger-Beteiligung stecken in einer Sackgasse und gefährden die Rettung des Landes. Der deutsche Finanzminister Schäuble forderte die Banken auf, ihre Forderungen zum geplanten Anleiheumtausch nicht zu überziehen.

Die Regierung in Athen muss innerhalb von wenigen Tagen eine Einigung vorweisen, um nicht Ende März vor der Pleite zu stehen, wenn 14,5 Mrd. Euro an Anleihen fällig werden. Der griechische Ministerpräsident Papademos versuchte offensichtlich gute Miene zum bösen Spiel zu machen und gab sich optimistisch. Er sei zuversichtlich, dass die Gespräche über die Gläubiger-Beteiligung binnen drei Wochen abgeschlossen werden könnten, sagte er in Athen.

Trotz des baldigen Eintreffens der Troika von Vertretern der Europäischen Union (EU), der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) will sich Griechenland offenbar im Voraus mit dem IWF kurzschließen. Regierungskreisen zufolge reisten am Montag der Chef der Schuldenagentur und ein hochrangiger Berater nach Washington.

"Das ist klar, dass die Gläubiger höhere Zinsen gern hätten", sagte Schäuble. Da es aber auch um Garantien anderer europäischer Staaten gehe, dürfe das Ziel einer Schuldentragfähigkeit Griechenlands ab 2020 nicht durch zu hohe Zinsen bei den umzutauschenden Anleihen gefährdet werden.

Laut der US-Ratingagentur Standard & Poor's steht Griechenland kurz vor einer Pleite. Wegen der hohen Verschuldung werde dies "sehr bald" geschehen, sagte der Leiter des Länderbereichs Europa, Moritz Krämer, am Montag Bloomberg TV. Eine ungeordnete Zahlungsunfähigkeit werde Auswirkungen auf andere Länder haben, deshalb versuche die Politik, dies zu verhindern. "Das Spiel ist noch nicht zu Ende", sagte Krämer.