Erstellt am 28. August 2012, 13:43

Grüne gegen Importe für Biospritproduktion. Die Grünen kritisieren die stark gestiegenen Getreide- und Maisimporte für die heimische Agrosprit-Produktion und orten dadurch "Kaskaden" an Importen in Schwellen- und Entwicklungsländern.

Der grüne Agrarsprecher Wolfgang Pirklhuber vermutet, dass ein Großteil der Importe für die Biospritherstellung (2010/11: 546.000 Tonnen) aus der Ukraine stammt und damit auch zu Getreidepreissteigerungen etwa in Indien beitragen würde. "Am Ende sind die Hungernden", sagte er am Dienstag vor Journalisten. Gleichzeitig sei der Getreide-Selbstversorgungsgrad Österreichs wegen der Biospritproduktion zuletzt auf 88 Prozent gesunken.

Die Grünen forderten am Dienstag erneut die von Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich für Oktober geplante Beimischung von 10 Prozent Bioethanol zum Eurosuper (E10) abzusagen und generell "auf Eis zu legen". Das derzeit verwendete E5 soll aber vorerst nicht gestoppt werden. Es müsse nun eine ergebnisoffene Diskussion zwischen den Parteien, NGOs und Experten über die Rolle von Agrosprit geben.

Auch bei einer nicht Einführung von E10 wird in Österreich kräftig Bioethanol erzeugt. Derzeit werden im Agrana-Werk in Pischelsdorf 220.000 Kubikmeter Bioethanol hergestellt, davon wird derzeit noch 50 Prozent ins Ausland exportiert. Seit dem Jahr 2007 seien die Importe von Weizen und Mais in Österreich um 87 Prozent gestiegen, während die Exporte in etwa gleichgeblieben sind", erklärte Pirklhuber unter Verweis auf AMA-Daten.

Der grüne Agrarsprecher zitierte aus dem OECD-FAO Agricultural Outlook 2011, um auf den zunehmenden Einfluss von Biosprit hinzuweisen: "Bis 2020 werden schätzungsweise 13 Prozent der weltweiten Grobgetreideproduktion, 15 Prozent der Pflanzenölproduktion und 30 Prozent der Zuckerrohrproduktion für die Biokraftstoffherstellung verwendet werden. Höhere Ölpreise würden eine noch stärkere Zunahme des Einsatzes von Agrarrohstoffen zur Herstellung von Biokraftstoff zur Folge haben, und bei hinreichend hohen Ölpreisen wird die Biokraftstofferzeugung in vielen Ländern selbst ohne staatliche Unterstützung rentabel", heißt es in dem Bericht. Entgegen den Aussagen von Berlakovich habe die Agrospritproduktion deutliche Auswirkungen auf die Agrarmärkte, betonte Pirklhuber mit Verweis auf den OECD-Bericht. Das zu ignorieren, sei "skandalös und ignorant".

"Die Verspritung von Getreide ist angesichts von weltweit 1 Milliarden hungernder und unterernährter Menschen ethisch unverantwortlich und skandalös", betonte die Entwicklungssprecherin der Grünen, Judith Schwentner. Die Agrotreibstoffe seien "ökologisch völlig ineffizient  und bedrohen durch indirekte Landnutzungseffekte die letzten intakten Regenwaldgebiete und die indigenen Völker". Die österreichische Bundesregierung müsse sich außerdem auf EU- und UNO-Ebene für "eine effiziente Regulierung der Agrar-Derivat-Märkte einsetzen".

Auch Thomas Stelzer, im UNO-Generalsekretariat für Politikkoordination und sozial-ökonomische Fragen zuständig, lehnt Agrosprit ab. "Ich persönlich halte es für einen Irrweg. Es ist ein Spin der Werbewirtschaft", sagte er am Dienstag. Der Treibstoff habe mit "Bio" nichts zu tun. "Es ist Agrosprit, wo Lebensmittel in den Tank gefüllt werden." Es gebe keine Nahrungsmittelknappheit, es gebe vielmehr ein Verteilungsproblem, betonte er. "Während fast eine Milliarde hungrig ins Bett geht, gibt es 1,5 Milliarden Menschen, die übergewichtig sind."