Erstellt am 28. März 2014, 12:35

Grüne: Jugendwohlfahrt unterbesetzt. Regina Petrik, Landessprecherin der Grünen im Burgenland, will ein Jahr lang bei Jobs in unterschiedlichen Bereichen der Arbeitswelt Erfahrungen sammeln. Den Anfang machte sie im März im Sozialbereich.

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Am Freitag schilderte sie in Eisenstadt ihre Eindrücke und übte Kritik: Im Burgenland sei die Jugendwohlfahrt unterbesetzt, das Problem der Obdachlosigkeit werde im Landesnorden totgeschwiegen.

"Straßen- scheinbar wichtiger als Sozialnetz"

Ihren ersten Arbeitsplatz fand Petrik bei der "Pannonischen Tafel" in Eisenstadt, wo sie einen Monat ehrenamtlich mitarbeitet und die Situation sozial bedürftiger Menschen kennengelernt habe. Ihr Resümee: "Der Sozialdemokratie im Burgenland ist das Straßennetz wichtiger als das Sozialnetz."

Jugendämter seien mangelhaft besetzt, in Eisenstadt seien in einem sozialarbeiterischen Bereich nur Psychologen tätig, so Petrik. Sozialarbeiterinnen hätten ihr geklagt, "dass sie immer mehr Arbeit haben und immer weniger Zeit für die Familien, die sie zu betreuen haben."

Petrik prangerte Sozialarbeiter-Überlastung an

"Mittlerweile fehlen jetzt nach meiner Überschlagsrechnung etwa 15 Dienstposten", erklärte die Landessprecherin im Hinblick auf die landesweite Situation. Nach einem Richtwert sei auf 9.000 Einwohner eine Sozialarbeiterin zu besetzen. Im Burgenland liege der Schnitt im Moment bei 14.000: "Das ist eine ganz klare Überlastung." Zudem sei das Zulagensystem bei der Besoldung "sehr stark auf Goodwill von Vorgesetzten aufgebaut."

"Dass es das Problem der Obdachlosigkeit im Burgenland gibt, ist im Büro von Landesrat (Peter, Anm.) Rezar (SPÖ) noch nicht angekommen", glaubt Petrik. In Oberwart werde ein Haus der Caritas für Obdachlose vom Land unterstützt - "und damit hat sich's auch schon." Offiziell gebe es aus Perspektive des Landes im Nordburgenland keine Obdachlosen.

Eisenstädter Herberge meist voll belegt

Obdachlose Menschen aus den umliegenden Gemeinden und aus dem ganzen Bezirk Eisenstadt-Umgebung würden nach Eisenstadt zum Verein "Freiraum Pannonia" oder zur "Pannonischen Tafel" geschickt, wo sie von Ehrenamtlichen betreut werden.

Die Herberge in Eisenstadt mit 17 Betten sei auch im Sommer meist voll belegt, "es müssen auch Leute abgewiesen werden", sagte Petrik. Sie schlage die Einberufung einer "Task Force Obdachlosigkeit" mit Experten des Landes, aber auch aus den Kommunen und Bezirken, vor.

Sozialdemokraten wiesen Kritik zurück

SPÖ-Sozialsprecherin LAbg. Klaudia Friedl hat die Aussagen hingegen zurückgewiesen. "Von einer Unterbesetzung der Jugendämter kann keine Rede sein", so Friedl in einer Aussendung. Erst diese Woche seien fünf diplomierte Sozialarbeiter durch Regierungsbeschluss aufgenommen worden: "Damit sind alle derzeitigen Planstellen besetzt."

Die Kritik von Grünen-Landessprecherin Regina Petrik an der burgenländischen Sozialpolitik sei "oberflächlich, unseriös und sachlich falsch", so Friedl. "Wir müssen, was unsere sozialen Standards betrifft, keinen Vergleich mit anderen Bundesländern scheuen - schon gar nicht mit jenen, in denen die Grünen in der Landesregierung sitzen", erklärte die SPÖ-Politikerin.

Bei den Jugendämtern ergebe sich ein Verhältnis von einem Sozialarbeiter pro 9.500 Einwohner. Das Burgenland liege damit im Bundesländervergleich "im guten Mittelfeld." Die Behauptung Petriks, dass im Burgenland 15 Dienstposten fehlen würden, sei "an den Haaren herbei gezogen", so Friedl. "Kollegin Petrik sollte sich einarbeiten statt nur 'reinzuschnuppern'", so die Sozialsprecherin.