Erstellt am 29. April 2015, 09:38

von Wolfgang Millendorfer

Petrik: „Regierung? Wir sind bereit!“. Regina Petrik, Spitzenkandidatin der Grünen, über einen neuen Stil der Politik und Konzepte für Bildung, Verkehr und Co. Das Ziel: „Alte Machtstrukturen aufbrechen.“

Spitzenkandidatin Regina Petrik: »Wenn Grüne Verantwortung übernehmen, dann passiert nix Böses - im Gegenteil.« Foto: BVZ  |  NOEN, BVZ

BVZ: Die Grünen wollen das beste Burgenland-Ergebnis aller Zeiten erzielen. Geht damit auch eine Regierungsbeteiligung einher?
Regina Petrik: Das beste Ergebnis bedeutet: alles über 5,6 Prozent. Das ist auch möglich, wenn die Leute, die wollen, dass die Grünen stärker werden, uns auch wirklich wählen. Die Grünen sind ja mittlerweile in sechs Landesregierungen – in mehr als die SPÖ. Man hat gesehen: Wenn Grüne Verantwortung übernehmen, dann tut sich was. Da passiert nix Böses – im Gegenteil: Da kommt wirklich eine Politik anderen Stils hinein.

„Wir sind nach wie vor eine Kontrollpartei.
Ich lass‘ mich auch gerne kontrollieren“

Welche Parteien hätten bei den Grünen Chancen?
Mit der FPÖ wird es sicher keine Koalition geben. Inhaltlich gibt es mit vielen Überschneidungen. Die ÖVP geht ja praktisch auf uns zu, zum Beispiel beim öffentlichen Verkehr und der Forderung nach dem 365-Euro-Ticket. Bei der SPÖ gibt es viele Überschneidungen, was die Bildung anbelangt.

Könnte man sich für weitere fünf Jahre auch mit der Oppositionsrolle anfreunden?
Wir sind nach wie vor eine Kontrollpartei. Ich hoffe, dass im Landtag die Kontrollrechte gut ausgeübt werden. Übrigens auch, wenn wir in der Regierung sein sollten. Ich lass‘ mich auch gerne kontrollieren. Für eine lebendige Demokratie ist eine gute Opposition nötig. Und sollte es so kommen, dann werden wir auch diese Rolle sehr gerne ausfüllen. Wenn die Grünen in der Regierung wären, würde es ein bisschen schneller gehen. Da würde vorher nicht so viel zerstört werden.

Ist das Thema Umweltschutz heute noch „in“?
Das Thema verlässt uns leider nicht. Die Erderwärmung schreitet voran, das Hochwasser ist zum Teil hausgemacht. Es läuft vieles gut, aber auf Dauer werden wir uns die Vergiftung unserer Böden und der Luft nicht leisten können, wenn wir gesunde Nahrungsmittel herstellen wollen. Das muss eigentlich unser Ziel sein.

„Bildung fängt schon in der Kinderkrippe an. Das
habe ich bei meiner Job-Tour selbst erlebt“

Wenn es um die Umwelt geht, ist auch der Verkehr nicht weit …
Wir kämpfen sehr konsequent um einen Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Mir gehen die Ansagen, die immer nur vor der Wahl kommen, schon mächtig auf die Nerven. Wenn man in den öffentlichen Verkehr genau so viel wie in den Straßenbau investieren würde, dann könnte im Burgenland viel geschehen. Ich habe auch gar nichts gegen den Straßenbau. Die Frage ist nur, wofür soll die Straße da sein und wie viel Geld geben wir aus?

Wie ist das aus Sicht der Pendler zu beurteilen?
Es geht auch darum, den Pendlern ein attraktiveres Jahresangebot für den öffentlichen Verkehr zu machen. Pendeln ist grundsätzlich nichts Schlechtes, man soll sich seinen Arbeitsplatz auch aussuchen können. Es sollen aber auch neue Arbeitsplätze in der Region geschaffen werden, und da setzen wir auf ein neues Wirtschaften, auf Einzelunternehmer und KMUs.

Stichwort Bildung: Braucht es auch da einen neuen Zugang?
Bildung fängt schon in der Kinderkrippe an. Ich habe bei meiner Job-Tour ja selbst im Kindergarten gearbeitet und erlebt, was Pädagogen und Eltern sagen: Wir brauchen kleinere Gruppen und mehr Personal, damit man sich den Kindern individuell widmen kann. Auch im Schulbereich wäre mein Zugang, im Dialog quer durchs Land mit allen Beteiligten zu schauen, welche Verwaltung es für die Bildung braucht.

„Der Rechtskurs der SPÖ braucht ein Korrektiv
und nicht noch die Verstärkung durch die FPÖ“

Sind die Burgenländer aus Ihrer Sicht bereit für Veränderungen?
Ich sehe sehr viel Veränderungswille und Bewegung im Burgenland. Das Problem ist, wenn man vom System aufgehalten wird. Wenn etwa jemand was machen will und nicht auf Parteilinie ist und seine gesamte Verwandtschaft wird telefonisch traktiert. Ich übertreibe nicht, im Schnitt erzählt mir jemand einmal pro Woche da sehr konkrete Geschichten. Auch bei der Parteibuchwirtschaft gibt‘s für mich daher keinen Kompromiss.

Was wäre das „Schlimmste“, das dem Burgenland bei dieser Wahl passieren könnte?
Eine rot-blaue Regierung. Weil der Rechtskurs der SPÖ unbedingt auch ein Korrektiv braucht und nicht noch die Verstärkung durch die FPÖ. Was eine FPÖ in einer Landesregierung ausmacht, das haben wir in Kärnten gesehen. Rot-Blau im Burgenland würde mir wirklich Angst machen.

Wäre ein bunter Landtag aus Ihrer Sicht ein Vorteil?
Das hängt immer von den handelnden Personen ab. Die Frage ist: Wollen die Mandatarinnen und Mandatare diskutieren, oder wollen sie nur eine Bühne für einen Schlagabtausch? An Zweiterem habe ich kein Interesse. Ich glaube, es tut auch dem Land gut, gewohnte Pfade zu verlassen und die Herausforderung anzunehmen, dass man auch durch eine andere Art der Diskussion zu Lösungen kommt.

Welches Wahlversprechen geben die Grünen ab?
Ich kann nur versprechen, dass ich immer zu dem stehe, was ich sage, und dass ich niemandem etwas vormache. Dass ich sehr ehrlich und redlich diesen Job als Politikerin ausüben möchte und dass es mir niemals um den persönlichen Vorteil geht. Ich bin sehr spät in die Politik eingestiegen und muss mir selbst nichts mehr beweisen. Aber ich möchte gerne im Burgenland etwas weiterbringen. Denn da ist noch viel mehr drinnen, als das bis jetzt der Fall ist.

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