Erstellt am 06. Dezember 2010, 14:06

Grüner Landessprecher Reimon bewirbt sich um BEWAG-Vorstandsposten. Im Kampf gegen Proporz in landesnahen Betrieben sei die Bewerbung ein Versuch, um Einblick in das Auswahlverfahren bei der Postenbesetzung zu bekommen. Für SPÖ ist die Aktion "herzig und lieb".

Der Landessprecher und einzige Landtagsabgeordnete der burgenländischen Grünen, Michel Reimon, möchte sich "beruflich verändern". So geheimnisvoll lautete der Titel für eine in Eisenstadt angesetzte Pressekonferenz. Von seinem Amt tritt er nicht zurück, Reimon bewirbt sich für beide vom Landesenergieversorger BEWAG ausgeschriebenen Vorstandsposten. Laut dem Grünen sei das "ein Versuch", um Einblick in das Auswahlverfahren bei der Postenbesetzung zu bekommen. Er habe aus den Medien entnommen, "dass die Besetzung der Posten parteipolitisch motiviert sein soll."

"Welche Möglichkeiten ich dann haben werde, Einspruch zu erheben bzw. mir darlegen zu lassen, wie die Auswahl der Bewerber objektiv passiert ist, diesen Prozess werden wir uns dann anschauen. Das ist der reale Hintergrund." Es gehe schließlich darum, das Unternehmen sorgfältig zu führen, sagte der Landessprecher. Die BEWAG sei "ja nicht das Privatunternehmen von zwei Großparteien."

Ein "Verzweiflungsakt", den ein Journalist dem Grün-Politiker fragend unterstellte, sei diese "Inszenierung" nicht. Es handle sich dabei um "Aktionismus" und ein "legitimes Mittel" in der Opposition. "Resignation wäre Verzweiflung", sagte Reimon. Er wolle "schauen, ob ich dort vielleicht mehr oder aktiver in das Geschehen im Burgenland eingreifen kann."

Im Zuge seiner Bewerbung suchte er auch um die Mitgliedschaft in der SPÖ sowie beim Wirtschaftsbund Burgenland an. Begründung: Medien würden davon ausgehen, "dass man SPÖ- oder ÖVP-Mitglied sein muss". "Ich glaube mit beiden Mitgliedschaften kann dann meiner Bewerbung nichts mehr im Weg stehen", meinte Reimon.

Die BEWAG hatte nach dem Bekanntwerden des vorzeitigen Ausscheidens der beiden Vorstände, Hans Lukits und Josef Münzenrieder, deren Posten ausgeschrieben. Ihre Nachfolger sollen per 1. Jänner 2011 neu bestellt werden. Die Bewerbungsfrist endet mit 11. Dezember.

Als "herzige und liebe Schmähparade" kommentierte SP-Landesgeschäftsführer Robert Hergovich die präsentierten "Berufswünsche" des Grünen-Landtagsabgeordneten Reimon. "Es ist ein guter Weg, Aktionismus in die burgenländische Politik zu bringen, das ist ihm durchaus gelungen", sagte Hergovich. Die Bewerbung sei "natürlich in Ordnung und ok. Aber am Ende des Tages zählt natürlich die Qualifikation und da muss auch der Kollege Reimon beweisen, wie gut er ist."

Sein Ansuchen, der SPÖ beizutreten, werde man "selbstverständlich" stattgeben, hieß es augenzwinkernd vom SP-Landesgeschäftsführer. Auf Aktionismus reagiere man am besten mit Gegenaktionismus, so Hergovich. Er werde Reimon deshalb bei der kommenden Landtagssitzung den Mitgliedsantrag der SPÖ medienwirksam übergeben. "Und dann schauen wir einmal, wie viel sein Wort wert ist. Hält er das, was er auch ankündigt oder nicht."

Landeshauptmannstellverteter Franz Steindl (V) verwies auf die laufende Ausschreibung, man werde sehen wer sich bewirbt. Wenn der Grünabgeordnete Reimon sich hier "anbiedert, dann zeigt das, dass er kein Rückgrat hat, dass er seine Seele verkauft, wenn es notwendig ist", sagte Steindl bei einer Pressekonferenz. Was Reimon bisher im Landtag gezeigt habe, "war Aktionismus, mehr nicht." Man habe von ihm bisher keine Signale erkennen können, dass es ihm um das Burgenland und um die Menschen gehe, so der VP-Landeschef.

Von den Freiheitlichen kamen als Reaktion auf die Inszenierung des Grünen Landessprechers Lobesworte. "Aktionismus hin oder her - Reimon trifft damit den Kern des Problems. Die BEWAG befindet sich in Geiselhaft der beiden Regierungsparteien und ist deren parteipolitische Spielwiese. Die Grünen zeigen das mit dieser Aktion beinhart auf und die überempfindliche Reaktion von VP-Obmann Steindl kommt einem Eingeständnis dessen gleich", hieß es von Landesparteiobmann Johann Tschürtz.