Erstellt am 03. Februar 2016, 04:58

von Michael Pekovics

Hilfe für Flüchtlinge bringt „Ärztestreit“. Ärztekammer zeigte KRAGES bei Ministerium an, weil Ärzte an die Grenze geschickt wurden. Jetzt wird das Gesetz geändert.

Auf Flüchtlings-Krise folgt Ärztestreit: Kammer-Präsident Michael Lang (stört der »sanfte Druck«, der auf die Ärzte ausgeübt wurde. Foto: BVZ  |  NOEN, BVZ
Der Flüchtlingsansturm des vergangenen Jahres sorgt für Nachwehen. Weil nämlich die KRAGES – auf Bitte des damaligen Landespolizeipräsidenten Hans Peter Doskozil – vier Ärzte für den Grenzeinsatz in Nickelsdorf und Heiligenkreuz abstellte, wandte sich die Ärztekammer an das Gesundheitsministerium und wollte wissen, ob dieser Einsatz beziehungsweise die dadurch entstehenden „ausgelagerten (dislozierten) Ambulanzen“ gesetzlich gedeckt sind.

„Grauzone wurde ausgenutzt“

Die Antwort seitens des Ministeriums war eindeutig: Die offenen Fragen müssen auf Landesebene beantwortet werden. Im Bundesgesetz gibt es nämlich die Möglichkeit der „dislozierten Einheiten“, im betreffenden Landesgesetz (KAKuG) aber nicht.

KRAGES-Geschäftsführer René Schnedl gibt zu, dass damals „eine Grauzone ausgenutzt wurde“, betont aber auch, dass die Änderung des KAKuG bereits in Begutachtung sei und in „einer der nächsten Landtagssitzung auch beschlossen werden soll“.

„Sanfter Druck in Richtung Diktat“

„Eine tolle Geste der KRAGES, aber uns hat die Entwicklung betroffen gemacht, dass quasi per Zwang angeordnet wird, wo Ärzte zu sein haben“, sagt Ärztekammer-Präsident Michael Lang zur BVZ. Ihn störe der „sanfte Druck in Richtung Diktat“.



Laut KRAGES hingegen hätten sich aber immer mehr Ärzte freiwillig gemeldet, als überhaupt gebraucht worden wären. „Kein einziger Arzt hat sich über den Einsatz beschwert“, sagt KRAGES-Personalchef Peter Dopler.

Auslöser des Wirbels soll ein Brief des damaligen Ärztlichen Leiters der Krankenhäuser Oberpullendorf, Oberwart und Güssing, Kurt Resetarits, gewesen sein. Der bestreitet, dass er sich beschwert habe, gibt aber sehr wohl zu, sich erkundigt zu haben, ob „das alles rechtens ist“. Einer der eingesetzten Ärzte meinte im Gespräch mit der BVZ, dass „sich kein einziger meiner Kollegen über diese Einsätze beschwert hat.“