Erstellt am 23. April 2014, 15:52

von Markus Stefanitsch

„Ich will Geschlossenheit“. Interview | ÖVP-Chef Steindl stellt sich am Sonntag der Urabstimmung. Mit der BVZ sprach er über Parteikonflikte, Pläne und seine Kritiker.

 |  NOEN, Millendorfer

BVZ: Mit welchen Gefühlen sehen Sie der Urabstimmung entgegen?

Franz Steindl: Ich freue mich darauf, weil es eine Möglichkeit ist, alle Mitglieder einzubinden und zu hinterfragen, wie ich innerhalb meiner Partei liege. Ich habe immer mit der Basis gearbeitet und war immer erdverbunden. Eine Urabstimmung über den Spitzenkandidaten hat es noch nie gegeben, das ist österreichweit eine Premiere und ein Modell, das man auf allen Ebenen umsetzen sollte. Ich bin ein unverbesserlicher Optimist und glaube, dass viele sich beteiligen werden. Das zeigt allein der Zulauf von 500 neuenMitgliedern zwischen Jänner und Februar.

„Teilorganisationen als Bereicherung, wenn sie der ÖVP zuarbeiten“

Ist es auch ein Weg, mit dem das starke Bünde-Denken der ÖVP nicht so im Vordergrund steht?

Ich gehe noch einen Schritt weiter: Wenn es nach mir geht, soll mit der Proporz-Abschaffung auch die Vorzugsstimmen-Hürde fallen. Damit hat keine Teilorganisation ein Vorrecht, sondern jeder Kandidat die Chance, das Vorzugsstimmen-Mandat zu erreichen. Ich sehe die Teilorganisationen als wichtige Bereicherung, wenn sie der ÖVP zuarbeiten. Aber was wir in der ÖVP noch lernen müssen, ist, Konflikte innerparteilich auszutragen und nicht in die Öffentlichkeit zu stellen.

Stichwort Proporz: Mit der Abschaffung werden auch die ersten Koalitions-Spekulationen kommen. Könnte es dann einen Landeshauptmann Steindl geben?

Die Parteienlandschaft ist bunter geworden, es wird keine absoluten Mehrheiten mehr geben. Daher sind, wenn wir den Proporz abschaffen, alle Konstellationen möglich.

Respekt für Rohrer: „Nicht nur hinter Funktionen verstecken“

Wie beurteilen Sie Ihren Gegenkandidaten bei der Urabstimmung, Jürgen Rohrer?

Ich hätte absolut kein Problem damit, wenn sich mehrere Kandidaten dieser Wahl gestellt hätten. Denn das ist der Weg: Nicht nur kritisieren und sich hinter Funktionen verstecken, sondern sich direkt stellen. Das rechne ich meinem Mitbewerber, der ja ÖVP-Gemeinderat in Lutzmannsburg und vor wenigen Wochen auch der Partei beigetreten ist, sehr hoch an.

Wie zu hören war, kritisiert Rohrer, Sie hätten in der Vergangenheit „jede Wahl verloren“ …

Dann soll er mir dazu Beispiele nennen. Faktum ist vielmehr, dass ich bei der Landtagswahl 2005 dazugewonnen habe und 2010 das Ergebnis halten konnte. Und meine Heimatgemeinde Purbach habe ich zum Beispiel als Bürgermeister mit 38 Prozent übernommen und dann mit 65 Prozent übergeben.

Hätten Sie erwartet, dass sich aus den Reihen der Kritiker weitere Kandidaten der Wahl stellen?

Jeder hätte die Chance gehabt, zur Urabstimmung anzutreten. Wenn die Wahl abgeschlossen ist und es ein eindeutiges Ergebnis gibt, dann erwarte ich von allen diese Geschlossenheit nach außen.

ÖVP: Tag der Entscheidung

Urabstimmung |  27.216 ÖVP-Mitglieder wählen zwischen Steindl und Rohrer.

Wenn alle ÖVP-Mitglieder am Sonntag über den Spitzenkandidaten für die Landtagswahl abstimmen können, geht es auch um eine Richtungsentscheidung.

Nachdem Ex-Nationalrat Oswald Klikovits zu Jahresbeginn die innerparteiliche Kritik an Franz Steindl losgetreten hatte, reagierte der VP-Chef und kündigte den „mutigen Schritt“ der Urabstimmung an. Zuletzt mobilisierte auch Kurt Korbatits, Obmann des Seniorenbundes – mit knapp 11.500 Mitgliedern die größte Wählergruppe.

Als einziger Gegenkandidat tritt der Lutzmannsburger Jürgen Rohrer an. Er will „für die ÖVP die Basis zurückgewinnen“ und sieht sich als einzige Alternative zu Steindl, denn: „Jeder hat die Chance gehabt, sich der Wahl zu stellen.“

Abgewickelt wird die Urabstimmung in Form eines „Wahlsonntags“ in allen Gemeinden.