Erstellt am 27. April 2016, 06:54

von Wolfgang Millendorfer

Im Landhaus feierten nur die Freiheitlichen. FPÖ-Party auf zwei Stockwerken. Lange Gesichter bei SPÖ und ÖVP. Grüne setzen auf die Stichwahl.

Grüne auf Wahlparty in Wien. Anita Malli, Terezija Stoisits, Tina Wirnsberger, Michel Reimon (v.l.). Foto: Grüne  |  NOEN, Grüne
Für Landesvize Hans Tschürtz war dieser Wahlsonntag „überwältigend“, wie er sagt. „Das Burgenland ist blau“, jubelte der FPÖ-Chef beim Blick auf die Hochrechnungen.

Entsprechend war auch die Stimmung bei den Freiheitlichen: Im Eisenstädter Landhaus wurde nicht nur im FPÖ-Klub gefeiert, sondern auch einen Stock höher im Büro von Hans Tschürtz. Dieser verabschiedete sich am Sonntagnachmittag noch in Richtung Wien, wo die Party mit Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer in der blauen Zentrale weiterging.

„Neue Dynamik“ im Wahlkampf-Finale

Tags darauf war der Überschwang im burgenländischen FPÖ-Büro noch immer zu spüren. Am Rande einer Pressekonferenz meinte Tschürtz angesichts des Ergebnisses sogar: „Wir werden irgendwann den Anspruch stellen, Landeshauptmann-Partei im Burgenland zu sein, das ist nicht so weit weg.“

Die Grünen hatten am Wahlabend ebenfalls (doch) noch Grund zu feiern. Bei der Wahlparty im Palais Schönburg waren auch einige Burgenländer dabei, um sich gemeinsam auf die Stichwahl einzuschwören.

Noch am Abend meldeten sich Unterstützer bei Burgenlands Grünen-Sprecherin Regina Petrik: „Der Wahlkampf bekommt jetzt noch einmal eine andere Dynamik. Es geht da-rum, zu zeigen, welche Folgen es hätte, wenn man nicht auf das Verbindende und auf Alexander Van der Bellen setzt.“

„SPÖ soll auch im Bund die Mitglieder befragen“

Während Blau und Grün am Wahlsonntag feierten, zeigte sich in den Parteizentralen von SPÖ und ÖVP in Eisenstadt ein ganz anderes Bild. Hier hatten sich nur wenige Sympathisanten eingefunden; das Ergebnis konnte man bereits am frühen Nachmittag an den Gesichtern ablesen. Noch am Abend zogen sowohl SPÖ als auch ÖVP Konsequenzen und kündigten eine neue Ausrichtung an.

Landeschef Hans Niessl em-pfahl der Bundes-SPÖ eine Mitgliederbefragung nach burgenländischem Vorbild und meinte im Hinblick auf die Zusammenarbeit von SPÖ und ÖVP: „Ich bin der Meinung, dass diese Konstellation nach der nächsten Wahl ganz schwer möglich sein wird.“ Für die Stichwahl gab Niessl keine Empfehlung ab.

Auch VP-Landesobmann Thomas Steiner wünscht sich jetzt eine Neuorientierung in der eigenen Partei: „Faule Kompromisse zugunsten eines Koalitionsfriedens bringen gar nichts.“

Die gesamte Wahl stellte das Bündnis Liste Burgenland in Frage. Manfred Kölly meinte auch: „Das Ergebnis zeigt, dass das Parteidenken zu Ende ist.“

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Zitiert: Niessl: „Der Wähler hat immer recht“

„Wenn ich mir das Ergebnis ansehe, muss ich mich fragen, ob alle geschlossen hinter Rudi Hundstorfer gestanden sind. Der Wähler hat immer recht. Jetzt geht es nicht um Personen, sondern darum, Positionen zu diskutieren. Deshalb sollte die Sozialdemokratie eine Mitgliederbefragung durchführen, wie die SPÖ das im Burgenland getan hat.“
Landeshauptmann Hans Niessl (SP)

„Ein überwältigendes Ergebnis, mit dem ich in diesem Ausmaß nicht gerechnet hätte. Ich glaube, dass die Bevölkerung damit gezeigt hat, dass man mehr Kontrolle haben will und dass die Politik von Rot-Schwarz abgewählt wurde.“
Landesvize Hans Tschürtz (FPÖ)

„Will man einen Kandidaten, der gesagt hat, man werde sich noch wundern, was er alles machen wird – oder einen, der klar sagt, was er für Österreich weiterbringen will? Es ist unsere Aufgabe, alle Kräfte zu bündeln, die für Zusammenhalt und gegen Ausgrenzung sind.“
Grünen-Sprecherin Regina Petrik

„Die Bevölkerung ist mit der Bundesregierung unzufrieden. Wir plädieren für eine radikale Änderung der politischen Linie der ÖVP. Die Politik muss viel mehr Rücksicht auf die Meinungen und Befindlichkeiten der Österreicher nehmen.“
ÖVP-Landesobmann Thomas Steiner

„Wenn knapp ein Drittel das Wahlrecht nicht in Anspruch nimmt, ist das ein eindeutiges Zeichen, dass der Job des Ersatzkaisers in Frage zu stellen ist.“
LBL-Mandatar Manfred Kölly