Erstellt am 03. August 2011, 00:00

Integration durch Leistung. INTERVIEW / Anlässlich seines ersten Burgenlandbesuches sprach die BVZ mit Integrations-Staatssekretär Sebastian Kurz. Begleitet wurde er von Minister Niki Berlakovich.

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VON MICHAELA TANZLER

BVZ: Wie ist Ihre persönliche Definition von Integration und warum braucht es dafür einen eigenen Staatssekretär?

Kurz: Integration bedeutet für mich positives Zusammenleben. Das Thema spielt in fast alle politischen Ebenen hinein und wird ein immer größeres. Da ist es gut, eine koordinative Stelle zu haben. Wir haben zwanzig Vorschläge erarbeitet, wie Integration besser funktionieren kann.

 

BVZ: Welche Punkte müssen am raschesten umgesetzt werden?

Kurz: Wir gehen alle Punkte gleichzeitig an. Einige werden wir rasch umsetzen können, wie ein zusätzliches Deutschangebot oder die Schaffung des Forum Islam, andere werden länger brauchen, wie das zweite Gratiskindergartenjahr verpflichtend bei schlechten Deutschkenntnissen.

 

BVZ: Sie sagen, dass Integration Anstrengungen der zugewanderten und der aufnehmenden Bevölkerung bedarf.

Kurz: Die Mehrheitsbevölkerung darf Menschen nicht nach Herkunft, Religion und Hautfarbe beurteilen, sondern nach Leistungen. Zuwanderer sollten sich Mühe geben, der neuen Heimat loyal zu sein und etwas zu leisten, wobei Leistung auch bedeutet, die Sprache zu lernen oder sich in Vereinen einzubringen.

 

BVZ: Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie mit Mi-granten gemacht?

Kurz: In unserer Schulklasse in Wien Meidling hatte jeder Zweite Migrationshintergrund. Ich bin damit aufgewachsen, ohne groß darüber nachzudenken. Ich habe einen gemischten Freundeskreis, aber alle beherrschen die deutsche Sprache.

 

BVZ: Sehen Sie im Burgenland Handlungsbedarf in puncto Integration?

Kurz: Im Burgenland ist das Thema schon allein zahlenmäßig ein geringeres und durch den langen Erfolg der Volksgruppen vielleicht eines, das nicht so polarisierend diskutiert wird. Vorurteile kann es aber auch bei Leuten geben, die persönlich nicht betroffen sind.

Berlakovich: Das Problem ist bei uns nicht so eines wie in Wien. Wichtig ist aber, dass es auch hier offen diskutiert

wird.

AZRA HODIC