Erstellt am 06. März 2014, 12:07

Jank: Inklusion des Behindertensports vorantreiben. Die Zusammenführung des Behinderten- mit dem Nicht-Behindertensport ist nicht nur Teil des neuen Bundes-Sportfördergesetzes sondern auch ein vorrangiges Anliegen des Österreichischen Behindertensportverbandes (ÖBSV).

ÖBSV-Präsidentin Brigitte Jank gab unmittelbar vor dem Start der Winter-Paralympics in Sotschi ihrer Hoffnung Ausdruck, dass diese Inklusion bald und umfangreich gelingen möge.

"Auch im Behindertensport muss man viel Zeit investieren"

"Die Betrachtung des Behindertensports hat in derselben Art und Weise zu erfolgen wie beim Nichtbehindertensport", hofft Jank, dass die Gesellschaft möglichst bald keine Unterscheidung mehr vornehmen muss. Deshalb werde die Zugehörigkeit (Inklusion) vorangetrieben. Mehrere Maßnahmen, zunächst vor allem im Spitzensportbereich, sollen mithelfen.

So ist man mit einigen Bundes-Sportfachverbänden gerade in Endverhandlungen, was die Integration bestimmter Behindertensportarten in den nicht-behinderten Verbandssport betrifft. Kooperations-Vereinbarungen sollen bald abgeschlossen werden.

Zur sozialen Absicherung von Behinderten-Spitzensportlern wäre der Bundesheer-Leistungssport ein idealer Partner, diesen Gedanken habe man bereits an den Minister herangetragen. Jank: "Auch im Behindertensport müssen die Spitzensportler extrem viel Zeit investieren. Eine berufliche Tätigkeit daneben ist schwer umsetzbar."

Neues Projekt auf Schiene, Jank betonte Vorbildrolle

Und hinsichtlich finanzieller Förderung wurde ein Projekt namens "Medaillen-Partizipationsschein" ins Leben gerufen, damit neben dem Premium-Partner Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) auch im Rahmen von CSR-Partnerschaften eine Optimierung der Vorbereitung von Spitzensportlern gewährleistet werden kann. Für 2014 hat man bereits fünf Unternehmen dafür gewonnen.

Auch deshalb, so Jank, "sind unsere Sportler auf Sotschi exzellent vorbereitet und haben auch in der Vergangenheit bei Winter- und Sommerspielen immer sehr gut abgeschlossen." Eine Medaillen-Prognose für die am Samstag beginnenden Paralympics werde sie aber nicht abgeben. "Wir hoffen auf ein ausgezeichnetes Ergebnis und das wird es werden."

Der Behinderten-Spitzensport hat laut Jank eine ähnliche Vorbildrolle wie im Nicht-Behindertenbereich. Die meisten Menschen würden aber durch Unfall oder Krankheit zu einer Behinderung und somit relativ spät in Berührung mit dem Behindertensport kommen.

Verband als Dach- wie auch Fachverband eine wichtige Brücke

"Da ist es dann eine wichtige Aufgabe für den ÖBSV, weil wir diesen Menschen sehr viel an Begleitung geben können. Auch im Finden, welche Sportart für ihn oder sie nach dem Unfall überhaupt geeignet sein könnte", so Jank. Der ÖBSV sei insofern eine wichtige Brücke für die Menschen, "weil er nicht nur Dach- sondern auch Fachverband ist und daher die Vergabe und den Einsatz der Fördermittel gestalten kann. Wir können den Sportlern individuelle Betreuung anbieten."

Derzeit treiben dank ÖBSV rund 6.500 körperbehinderte Menschen in neun Landesverbänden, 109 Vereinen und sechs Behindertenklassen regelmäßig Sport. Bis zu 100.000 Menschen in Österreich wären Schätzungen zufolge für den ÖBSV "klassifizierbar".

Die Inklusion soll nun vor allem im Spitzensportbereich angeschoben werden, der ÖBSV werde aber immer die Basis bleiben. Profitieren würde man im Spitzensportbereich vor allem von Synergien durch gemeinsames Training, Wettkämpfe und Wissenstransfer. Derzeit bestehe aber eine Parallelstruktur. Jank: "Der ÖBSV übernimmt sehr viele dieser Aufgaben."

Öffentliche Wahrnehmung: Selbstverständlichkeit als Ziel

Künftig sollte man hier aber dem weltweiten Gedanken der Inklusion folgen und eine Zusammenführung mit den Sport-Fachverbänden herbeiführen. Im Bereich Tischtennis sei man diesbezüglich schon sehr weit. Im ÖBSV hat man die "Bilderbuch-Vorstellung", dass Behinderte mit Nicht-Behinderten gemeinsam Wettkämpfe bestreiten. Sei einmal der Anfang gemacht, würden weitere Entwicklungen folgen, ist man überzeugt.

Für Jank ist das große Ziel, den Behindertensport in der Wahrnehmung der Bevölkerung zu einer Selbstverständlichkeit werden zu lassen. Die Zusammenführung im Spitzensport könne da mithelfen. "Es braucht noch einiges an Aufklärung damit man in der Gesellschaft irgendwann nicht mehr diskutieren muss, ob die Wichtigkeit von Behinderten oder nicht Behinderten nicht doch einfach gleich sein kann."