Erstellt am 27. Januar 2013, 08:08

Jede Armee braucht Funktionssoldaten. Das größte Ziel der angepeilten Wehrpflicht-Reform ist die Reduktion der Funktionssoldaten.

Bei diesen sogenannten Systemerhaltern muss allerdings unterschieden werden, zwischen solchen, die militärische Aufgaben erfüllen und solchen, die das nicht tun. Kraftfahrer, Köche und Mechaniker sind für das Bundesheer unverzichtbar. Denn sie leisten „wertvolle Arbeit“, wie Generalstabschef Edmund Entacher im Gespräch betonte. Eine Reduktion der Funktionssoldaten um 70 Prozent, wie das die ÖVP gefordert hat, ist für ihn "unrealistisch".

Die Reduktion der Systemerhalter ist zum einen eine Kostenfrage, zum anderen braucht jede Armee Funktionssoldaten, denn sie erfüllen zu einem großen Teil militärische Aufgaben. Das Bundesheer wird etwa auf Kraftfahrer, Köche und Mechaniker nicht verzichten können. Auch die Wachsoldaten werden nicht zur Gänze ersetzt werden können. Wichtiger ist daher die Frage, wie man es vermeidet, dass diese Rekruten Leerläufe haben. Die Qualität der Ausbildung hängt nicht zuletzt auch von der Qualität der Ausbildner ab. Dieser Punkt ist in der Debatte bisher allerdings unbeachtet geblieben. Und es gibt noch einen weiteren Aspekt: Viele Grundwehrdiener sichern sich - auch durch Intervention - bewusst einen Job als Systemerhalter, um nicht "im Gatsch" zum Kampfsoldat ausgebildet zu werden.

Jährlich rücken zwischen 22.000 und 24.000 Grundwehrdiener beim Bundesheer ein. Tausende von ihnen werden als Wachsoldaten, Fahrer, Mechaniker, Köche und Ordonnanzen eingesetzt. Viele Rekruten werden auch für Verwaltungstätigkeiten herangezogen – etwa in Kanzleien, in den Stellungsstraßen und als Nachschub- und Wirtschaftsgehilfen. Alle diese Tätigkeiten wurden in der Wehrpflicht-Debatte "fälschlicherweise" in einen Topf geworfen und als "Systemerhalter" bezeichnet, dabei handelt es sich zu einem guten Teil um militärische Aufgaben, erklärte Entacher.

So ist etwa die "Wache" eine "urmilitärische Aufgabe", sagte auch Brigadier Rudolf Striedinger, Militärkommandant von Niederösterreich, im Gespräch. Es gebe natürlich Möglichkeiten, die Zahl der Wachsoldaten zu reduzieren, das sei aber mit Kosten verbunden. So werden in der Liechtenstein-Kaserne am Truppenübungsplatz Allentsteig keine Grundwehrdiener mehr als Wachsoldaten eingesetzt. Dafür wurde in technische Einrichtungen investiert, tagsüber wird zudem ein Sicherheitsdienst beschäftigt, am Abend wird der Job vom diensthabenden Berufssoldaten erledigt. Auch in der Klagenfurter Khevenhüller-Kaserne wurde im Zuge eines der Berufsheer-Pilotprojekte von Verteidigungsminister Norbert Darabos auf Grundwehrdiener als Wachen verzichtet. Die Investitionskosten für technische Anlagen wie Videoüberwachung und Schließsysteme belaufen sich laut Ministerium pro Objekt auf 500.000 Euro bis zu einer Million Euro. Theoretisch könne man überall auf Grundwehrdiener als Wachen verzichten, das würde aber zusätzlich zu den technischen Investitionen bundesweit 350 zusätzliche Arbeitsplätze erfordern, sagte Striedinger.