Erstellt am 07. Januar 2011, 08:46

Jede Hauptschule soll Neue Mittelschule werden. "Mittelschule kommt, Gymnasium bleibt" - das ist laut Vizekanzler Josef Pröll das Herzstück des Bildungsprogramms der Volkspartei, das am Freitagvormittag in Wien präsentiert wurde.

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Die ÖVP gibt damit der Forderung von SP-Unterrichtsministerin Claudia Schmied sowie verschiedener Landeshauptleute nach, die die Aufhebung der derzeit geltenden Zehn-Prozent-Höchstgrenze bei der Neuen Mittelschule (NMS) gefordert hatten. Voraussetzung sei jedoch die Erhaltung der AHS, denn "der Einheitsbrei führt zur Nivellierung nach unten", sprach Pröll sich erneut gegen eine gemeinsame Schule bis 14 Jahre aus.

Das VP-Bildungsprogramm sieht zwar weiter ein differenziertes Schulsystem vor, allerdings werden die Schultypen sich ähnlicher werden, so Pröll. In NMS wie AHS soll der Unterricht in Modulen stattfinden, Begabte gefordert und schwächere Schüler gefördert werden. Mit 14 soll in beiden Schultypen die sogenannte Mittlere Reife gemacht werden können, die Voraussetzung für einen Aufstieg in die AHS und Berufsbildende Höhere Schule ist. Wer diese standardisierte Prüfung nicht besteht, kann danach in eine Polytechnische oder Berufsbildende Mittlere Schule (BMS) gehen.

Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (V), die federführend an der Erstellung des Konzepts beteiligt war, betonte, dass damit - wie vom Koalitionspartner SPÖ gefordert - die Bildungswegentscheidung künftig nicht mehr mit zehn, sondern erst mit 14 Jahren getroffen wird. Karl hatte sich ursprünglich überhaupt für ein "Gymnasium für alle" ausgesprochen.

Die "Aufwertung" der Hauptschulen zu Neuen Mittelschulen könne schon mit dem kommenden Schuljahr beginnen, so Pröll, die zusätzlichen Kosten von 130 Mio. im Endausbau will er aus dem Budget bestreiten.

"Wir gehen auf den Koalitionspartner zu", sagte Josef Pröll und verlangte im Gegenzug von der SPÖ wiederholt ein klares Bekenntnis zur Erhaltung der AHS. Generalsekretär Fritz Kaltenegger bezeichnete das Programm als "Signal, gemeinsam zu arbeiten". Die ÖVP könne allerdings "diese Last nicht alleine stemmen". Gleichzeitig forderte er die SPÖ und Unterrichtsministerin Claudia Schmied dazu aus, das Regierungsprogramm im Bildungsbereich schneller abzuarbeiten, von 49 Punkten seien 41 weiterhin offen. "Lassen Sie uns dieses Stück des Weges gemeinsam gehen", appellierte er an den Koalitionspartner.

Inhaltlich pochte Beatrix Karl auf die "Sicherstelltung der Wahlfreiheit". Gleichzeitig will die ÖVP "Mut zur Elite" zeigen: Hochbegabte sollen künftig in so genannten "High Pontential Groups" gefördert werden. Als Zeichen, dass "Leistung sich auch im Bildungsbereich lohnt", soll es auch weiterhin Noten geben, diese sollen allerdings im Zeugnis um eine verbale Beurteilung erweitert werden. Außerdem sollen in der Mittelschule so genannte "Talentechecks" durchgeführt werden, denn "keine Begabung darf in Österreich verloren gehen".

Das Bildungsprogramm der Volkspartei sieht auch eine Reihe von Verpflichtungen vor. Eltern sollen künftig eine so genannte "Bildungsvereinbarung" mit der Schule unterschreiben. Dadurch soll festgehalten werden, dass für Erziehung und Ausbildung der Kinder auch die Eltern verantwortlich sind, so Pröll.

Außerdem soll die Kenntnis der deutschen Sprache Pflicht werden: Wer bei der Sprachstandsfeststellung im Kindergarten Defizite hat, muss verpflichtend an Programmen zur Sprachförderung teilnehmen. Wer danach noch Probleme hat, muss ein Jahr lang die Vorschule besuchen, so der Plan der ÖVP. "Damit wird sichergestellt, dass die Schüler bereits vor Schulantritt Deutsch beherrschen", betont Karl. In den späteren Schulformen müssen Schüler in allen Fächern, in denen sie Probleme haben, am Nachmittag verpflichtend Förderkurse nutzen.

Bewegung zeigt die ÖVP in der Frage des Sitzenbleibens: Künftig sollen sowohl in der Neuen Mittelschule als auch im Gymnasium und danach in der AHS-Oberstufe und Berufsbildenden höheren Schulen (BHS) nur noch jene Module wiederholt werden, in denen der Schüler Defizite hat. Die Wiederholung einer ganzen Klasse solle "Ultima Ratio" werden, betonte Karl.