Erstellt am 25. November 2013, 13:57

Jede vierte Frau in Europa Opfer von Gewalt. Das Wiener Rathaus ist derzeit Schauplatz einer zweitägigen internationalen Konferenz zum Thema Gewalt an Frauen.

Dass Handlungsbedarf besteht, zeigen aktuelle Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO): Jede vierte Frau ist zumindest einmal im Leben Opfer von Gewalt.

Außenminister Spindelegger rief dazu auf, weltweit "neue Maßstäbe" zu setzen. Diese Zahl bezieht sich auf die 53 Länder umfassende WHO Region Europa und stammt aus dem aktuellen WHO Bericht "Globale und regionale Schätzungen zu Gewalt an Frauen". Sie mache deutlich, dass körperliche und/oder sexuelle Gewalt medizinisch gesprochen geradezu epidemische Ausmaße habe, machte WHO-Genderberaterin Isabel Yordi Aguirre am Montag auf die Dimension des oft versteckten Problems aufmerksam. Die Missstände zögen sich durch alle Staaten und könnten keinesfalls auf rein regionaler oder nationaler Ebene, sondern nur im Zusammenwirken aller wichtigen Player gelöst werden.

Gesundheitseinrichtungen im Fokus

Um den Kampf gegen Gewalt an Frauen zu forcieren, soll die Rolle der Gesundheitseinrichtungen mehr in den Mittelpunkt gerückt werden. Denn an diese wenden sich Gewaltopfer am häufigsten. Insofern werden im Rahmen der Konferenz auch neue WHO-Richtlinien für Ärzte und Pflegepersonal vorgestellt. Sie enthalten Empfehlungen, wie Gewalt überhaupt erkannt und Betroffene infolge klinisch betreut werden sollten, sowie zu Erstversorgung, Fortbildungsmaßnahmen oder Fragen bezüglich der Meldepflicht von Fällen häuslicher Gewalt.

Letztere macht den Großteil der Vorfälle aus. Das Europäische Institut für Gleichstellungsfragen (EIGE) hat erhoben, dass in den EU-Staaten der Anteil jener Bürgerinnen, die Opfer von physischer Gewalt durch ihre Partner werden, zwischen 12 und 35 Prozent liegt. Dass Gewalt unter Paaren vor allem ein weibliches Problem ist, zeigt die Tatsache, dass EU-weit neun von zehn Opfern in der Partnerschaft Frauen sind.

80 Prozent der Frauen schweigen

Außerdem beunruhigend: Laut vorläufigen Daten einer Studie der Europäischen Grundrechtsagentur (FRA), die 2014 veröffentlicht werden soll, wenden sich ganze 80 Prozent der Frauen auch nach schwerwiegender Gewalt durch andere Täter nicht an Gesundheits-, Sozial- oder Opferschutzeinrichtungen. Nicht zuletzt womöglich auch deshalb, da diese in vielen Staaten nicht ausreichend vorhanden sind. So fehlen EU-weit EIGE zufolge rund 25.000 Frauenhausplätze.

Außenminister Spindelegger verlangt weltweit "neue Maßstäbe". Konkret nannte er am Montag eine neue Europarats-Konvention gegen Gewalt an Frauen, die 2014 unter Österreichs Vorsitz in Kraft treten soll. SPÖ-Entwicklungssprecherin Petra Bayr berichtete, dass bis 70 Prozent aller Frauen bereits Gewalt erlitten hätten. Gerade Opferschutzeinrichtungen für Frauen würden in finanziell schwierigen Zeiten oftmals dem Sparstift zum Opfer fallen, beklagte Wiens Gesundheitsstadträtin Wehsely.