Erstellt am 09. Oktober 2012, 14:52

Jeder will der Sieger sein. Mit leichten Verlusten für die Großparteien und Zugewinnen für FPÖ, Grüne und Bürgerlisten gingen am Sonntagabend die Gemeinderatswahlen zu Ende.

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Von Wolfgang Millendorfer und Bettina Eder

Bei SPÖ und ÖVP drehte sich in den Parteizentralen zunächst alles um zwei wichtige Bezirksvororte: Das „schwarze“ Güssing wurde von SPÖ-Kandidat Vinzenz Knor rot eingefärbt und im „roten“ Oberwart schaffte es die ÖVP in die Stichwahl. Im Büro von Landeshauptmann Hans Niessl freute sich die SPÖ auch über die neu errungenen Bürgermeistersessel in Stadtschlaining und Heiligenkreuz.

Entspannte Stimmung und Freudensprünge

Dementsprechend entspannt war die Stimmung bei den Granden der SPÖ: Landtagspräsident Gerhard Steier und der amtierende Landesschulratspräsident Gerhard Resch sorgten persönlich für Nachschub an neuen Ergebnissen. Der Landeschef verschwand mit seinen beiden Mobiltelefonen immer wieder im Nebenzimmer, um seine Bürgermeister zu kontaktieren: „Den Leo Steinwandtner in Jois muss ich gleich anrufen, damit ich ihn nicht beim großen Feiern störe.“

„Gott sei Dank, Königsdorf, das kann ich abhaken“, ließ indes ein aus tiefstem Herzen erleichterter Landesvize Franz Steindl verlauten, als die ersten Ergebnisse im ÖVP-Büro eintrudelten. Den düsteren Nachrichten aus Güssing folgten einige schwarze Lichtblicke. Und ein Hakerl folgte dem anderen auf Steindls Liste von Hoffnungs- und Risikogemeinden: Donnerskirchen, Pamhagen und Mischendorf waren in Schwarz getunkt. Nicht nur innerliche, sondern tatsächliche Freudensprünge machte da Agrarlandesrat Andreas Liegenfeld, als das Endergebnis seiner Heimatgemeinde bekannt wurde: „Donnerskirchen haben wir – wen interessiert denn noch ein anderes Ergebnis?“

Auf selbiges musste man in Eisenstadt lange warten. Nach 21 Uhr stand aber fest: Thomas Steiner (ÖVP) bleibt Bürgermeister und hält die absolute Mehrheit, SPÖ und Grüne gewinnen je ein Mandat dazu. Auch bei den Freiheitlichen lagen Freud und Leid nah beisammen: Während FPÖ-Chef Hans Tschürtz über seine Gemeinderats-Neueinsteiger jubelte, trauerten einige Funktionäre verpassten Chancen hinterher.
Beinahe ausgelassen war der Abend der Grünen, die mit Sprecherin Regina Petrik und Abgeordnetem Michel Reimon in der Eisenstädter Zentrale die Zugewinne feierten. Die Anhänger der Liste Burgenland stießen zur selben Zeit in Deutschkreutz und Großhöflein auf ihre „Hauptdarsteller“ Manfred Kölly und Wolfgang Rauter an.


Zitate:

„Wir sind immer noch die Nummer eins im Burgenland und in ganz Österreich! Am Beispiel Güssing sieht man auch, welche Möglichkeiten es in der Kommunalpolitik gibt.“
Landeshauptmann Hans Niessl über das Wahlergebnis der SPÖ

„Die FPÖ blieb weit hinter ihren Erwartungen und die Grünen haben 27 Gemeinderäte. Das haben wir manchmal in zwei Gemeinden.“
SPÖ-Manager Robert Hergovich

„Das zieht sich jetzt durch wie ein schwarzer Faden …“
ÖVP-Nationalrat Oswald Klikovits nach ersten positiven Ergebnissen

„Beide Großparteien haben etwas Haare lassen müssen – aber die SPÖ mehr als wir. Die Wahl hat gezeigt, dass wir gut aufgestellt sind.“
ÖVP-Chef Franz Steindl

„Die strategische Ausrichtung des Wahlkampfes hat zweieinhalb Jahre gedauert. Mit dem heutigen Tag startet schon die nächste lange Vorbereitungszeit.“
ÖVP-Landesgeschäftsführer Christian Sagartz

„Heinz-Christian, wir werden uns verdoppeln.“
FPÖ-Chef Hans Tschürtz telefoniert mit Partei-Boss HC Strache

„Hans, wir haben uns vervierfacht!“
FP-Bundesvize Nobert Hofer zum Ergebnis in Bruckneudorf

„Ein Wahnsinn! Der Gerhard Kovasits hat zugeschlagen in Bruckneudorf.“ – „Na, du hast‘s ihm ja auch so angeschafft …“
FPÖ-Chef Hans Tschürtz und Geschäftsführer Siegfried Zeltner

„Wir sind es ja gewohnt, dass man den Grünen vor den Wahlen auf die Schultern klopft – aber dieses Mal ist es uns gelungen, diese Sympathien auch in die Wahlzellen zu bringen.“
Grünen-Sprecherin Regina Petrik

„Ehrlichkeit zahlt sich aus. Das zeigt sich für uns jetzt auch auf Gemeinde-Ebene.“
Yasmin Dragschitz jubelt über das dritte grüne Mandat in Eisenstadt

„Man darf die Bevölkerung – und vor allem die Jugend – nicht für dumm ansehen. Die Wähler wissen schon, was sie tun.“
Deutschkreutz-Bürgermeister und LBL-Präsident Manfred Kölly

„Ich bin mir zu 80 Prozent sicher, dass ich Bürgermeister werde.“
LBL-Obmann Wolfgang Rauter über seine Chancen bei der Stichwahl in Großhöflein