Erstellt am 07. Oktober 2013, 19:46

Junglehrer fordern bei Demo Neustart für Reform. Rund 400 Personen sind am Montagabend dem Aufruf der "Initiative für ein faires LehrerInnendienstrecht" gefolgt und gegen die auf den Weg gebrachte Reform auf die Straße gegangen.

Bei einem Protestmarsch vom Hauptgebäude der Uni Wien zum Bundeskanzleramt forderte die von der Gewerkschaft unabhängige Junglehrer-Bewegung von der künftigen Regierung einen Neustart bei der Lehrerdienstrechtsreform. "Mehr Unterrichtsstunden = weniger Zeit zum Vorbereiten = 'bestmöglicher Unterricht'?" wurde auf einem Schild die "SPÖ-Logik" kritisiert. Auf anderen Transparenten wurde "Gegen die Ausbeutung von JunglehrerInnen" mobil gemacht oder "Stop dem medialen Rufmord" an Lehrern gefordert. Elisabeth Denscher, Sprecherin der im Sozialen Netzwerk Facebook entstandenen Initiative, begründete das Engagement der Junglehrer und Unterrichtspraktikanten damit, dass "das Lehrerdienstrecht so auf keinen Fall kommen darf".

40 Prozent mehr Zeit in der Klasse

Die geplante Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung auf 24 Stunden würde in der Praxis bis zu sieben Stunden mehr in der Klasse bedeuten, verwies Denscher auf die Regelung, dass an AHS und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) korrekturintensive Fächer derzeit höher bewertet werden und damit zu einer verringerten Unterrichtsverpflichtung von rund 17 Stunden führen. "Das bedeutet bis zu 40 Prozent mehr Zeit in der Klasse."

Dass das Unterrichtsministerium nur von einer Umschichtung der Arbeit ins Klassenzimmer spricht, ist für sie Hohn. "Wenn das keine Arbeitszeiterhöhung ist, dann ist das ein verdammter Qualitätsverlust", denn einsparen könnten Lehrer in Wirklichkeit nur bei Vor- und Nachbereitung. Sie warnte davor, dass der Plan der Regierung zu Überforderung, Burnout und Flucht aus dem Lehrerberuf führen würde.

Gehaltsverluste bis zu insgesamt 500.000 Euro

Die scheidende Regierung hatte Mitte August ohne vorherige Einigung mit der Gewerkschaft einen Gesetzesentwurf in Begutachtung geschickt. Gelten soll es nur für künftige Lehrer, die ab 2019/20 in den Job einsteigen. Die Lehrergewerkschaft erwartet durch die Reform Gehaltsverluste bis zu 500.000 Euro über das Berufsleben.