Erstellt am 05. November 2011, 09:50

Karenzanrechnung Schwerpunkt bei KV-Verhandlungen. Die Anrechnung der Karenzjahre als geleistete Berufszeit ist eine zentrale Forderung bei den diesjährigen Kollektivvertragsverhandlungen. So auch bei jenen für den Handel. Dort lassen sich derzeit für die Karenzzeit maximal zehn Monate für das erste Kind geltend machen.

Allerdings nur für die sechste Urlaubswoche, die Kündigungsfrist und die Entgeltfortzahlung beim Krankengeld. Davon ausgenommen sind aber die Abfertigung, Sonderzahlungen oder Jubiläumsgelder. Die größte Lücke gebe es generell bei den Vorrückungen - während der Karenzzeit fielen Eltern um wichtige Gehaltssprünge, meinte der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp), Proyer. Im Handel betrifft das praktisch hauptsächlich Frauen, weil drei Viertel der Beschäftigten Frauen sind. Bei der Lebensmittelkette Billa beispielsweise ist derzeit kein einziger Mann in Karenz, bei immerhin 17.000 Mitarbeitern, berichtete kürzlich Maria Gluchmann, stellvertretende Vorsitzende im Billa-Betriebsrat.

Bei den Kollektivvertragsverhandlungen für die Metallindustrie oder die Stein und Keramische Industrie hat die Gewerkschaft die Anrechnung der Karenzzeiten bereits durchgesetzt. Weiters in der Mineralölwirtschaft, den Energieversorgungsunternehmen, der Elektro- und Elektronikindustrie, der chemischen Industrie, dem Banken- und Sparkassensektor, den kaufmännischen Angestellten bei Tages- und Wochenzeitungen, den Speditionen, dem Sozialversicherungsbereich und im Forschungsbereich, zählte Proyer auf. "Diese Fortschritte dürften aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Handlungsbedarf in wichtigen Branchen wie beispielsweise dem Handel oder dem Gesundheits- und Sozialbereich noch groß sind", so der Gewerkschafter.

Unterstützung hat die Gewerkschaft erst vor kurzem von Innenministerin und ÖAAB-Chefin Mikl-Leitner (V) bekommen, die sich ebenfalls für die Anrechnung der Karenzjahre als Vordienstzeiten für die Gehaltseinstufung und automatische Gehaltsvorrückungen aussprach. "Wir finden das gut, dass Ministerinnen sich dafür einsetzen, hoffen aber, dass sie ihr Engagement nicht wieder vergessen, wenn die Verhandlungen im gesamten Gesundheitsbereich anstehen", sagte Proyer.