Erstellt am 16. Dezember 2010, 06:21

Kaufmann muss gehen - Herbst übernimmt Ruder. Mit einem Köpferollen im Vorstand hat Mittwochnacht nach 14 Stunden der Aufsichtsrat des Flughafen Wien die Verantwortungen für die Baukostenexplosion am Terminalbau "Skylink" besiegelt. Kaufmann ab 1. Jänner nicht mehr Vorstandschef - Gabmann und Schmid bleiben noch bis Ende 2011.

Mit einem Köpferollen im Vorstand hat Mittwochnacht nach 14 Stunden der Aufsichtsrat des börsenotierten Flughafen Wien die Verantwortungen für die Baukostenexplosion am Terminalbau "Skylink" besiegelt. Der bisherige Vorstandschef Herbert Kaufmann geht Ende Dezember, also in zwei Wochen. An seiner Stelle wird interimistisch - für längstens ein Jahr - der bisherige Aufsichtsratschef Christoph Herbst das operative Ruder übernehmen.

Ebenfalls vorzeitig enden die Vorstandsverträge von Ernest Gabmann und Gerhard Schmid. Ihre Vorstandsmandate werden aber erst per 31. Dezember 2011 beendet. Sie könnten sich neu bewerben, wenn die Funktionen nächstes Jahr neu ausgeschrieben werden, sagte Herbst in einem Pressegespräch am Flughafen.

Mit Kaufmann wurde heute schon eine einvernehmliche Lösung des Vertrags gefunden. Anstelle von Millionenablösen bis zur bisherigen Vertragslaufzeit (2014) ist bei ihm nun von einem Jahresbruttogehalt, etwa 350.000 Euro, die Rede.

Anders als früher werde es in jedem Fall eine Ausschreibung geben, sagte Herbst. Er selbst will sich dann nicht bewerben und nach einem Jahr wieder in den Aufsichtsrat zurück kehren.

Alle lernten in der Politik
Alle drei haben eines gemeinsam: Aus der Politik gekommen zu sein. Gabmann hat als einstiger VP-Vizelandeshauptmann in Niederösterreich die längste Polit-Karriere hinter sich.

Die Vorstände waren erst im Herbst 2009 auf fünf Jahre verlängert worden, was schon damals heftig umstritten war. Die Ablöse der bis 2014 laufenden Verträge - allen voran jener von Kaufmann - hätte bis zum Vertrags-Ende mehrere Millionen gekostet. Jetzt kommt der Flughafen weit billiger davon,

Für seinen Job als Flughafen-Vorstandssprecher hat Kaufmann, am 27. Oktober 1949 geboren, auf sein Mandat als SP-Politiker verzichtet. Er war Wirtschaftssprecher im niederösterreichischen Landtag und saß auch fünf Jahre im Nationalrat. Seine Karriere begann er nach der HTL und dem Studium der Volkswirtschaft als Techniker in in- und ausländischen Firmen und dann in der AK Niederösterreich, wo er 1985 zum Kammerdirektor wurde und dies bis zu seinem Wechsel zum Flughafen auch blieb. In der Folge wurde er jahrelang immer für SP-nahe Besetzungen im Infrastrukturbereich gehandelt, darunter für ÖBB oder ÖIAG - aber nur, bis er wegen des "Skylink"-Debakels die Rückendeckung auch seiner Parteifreunde verlor.

Die Kostenexplosion beim Terminal-Erweiterungsbau in Schwechat hatte im Frühjahr 2009 schon den damals verantwortlichen (schwarzen) Vorstand Christian Domany das Amt gekostet. Statt ihm wurde, bevor es überhaupt einen Aufsichtsratsbeschluss dazu gab, Gabmann als Flughafenvorstand eingesetzt. Auch Gabmann verlässt Ende 2011 wieder den Vorstand, ebenfalls einige Jahre früher als geplant.

Gabmann führte bis zu seinem Eintritt in die Landesregierung 1984 die Geschäfte der familieneigenen Baustoff- und Mineralölhandelsfirma. Bis Oktober 1992 war er VP-Abgeordneter zum niederösterreichischen Landtag, bevor er in der Landesregierung mit dem Wirtschaftsressort betraut wurde. Im Dezember 2004 wurde er stellvertretender Landeshauptmann. Im Februar 2009 kam dann seine überraschende Kür zum Flughafen-Vorstand per März. Dort zog er bald nach seinem Eintritt mit einem befristeten Terminal-Baustopp erst einmal die Reißleine, legte sich aber bald intern mit zahlreichen anderen Entscheidungsträgern an.

Der jüngste der drei Vorstände, Technik-Vorstand Gerhard Schmid (Jahrgang 1957), heuerte nach dem HTL-Abschluss (Maschinenbau) 1978 zunächst bei der Böhler AG an. 1979 wechselte er zur Gemeinde Wien. Anfang der 80er Jahre absolvierte er beim Magistrat Wien einige Stationen (u.a. Technik/Verkehr) und wurde 1987 Bürochef des damaligen SP-Bürgermeisters Helmut Zilk. Zum Flughafen wechselte er 1993. In den ersten Jahren leitete er die Revision, 1997 wurde er Technik-Leiter und seit 1999 im Airport-Vorstand für die Technikagenden zuständig.